
Mein Telefon ist zweieinhalb Jahre alt und kam neulich abends um halb sieben mit acht Prozent nach Hause. Am Nutzungsverhalten lag es nicht, ich telefoniere und lese damit wie immer. Der Akku hat schlicht nachgelassen, und das tut jeder. Interessanter als die Frage, ob er altert, ist die Frage, wie schnell, denn daran lässt sich einiges drehen.
Was einen Ladezyklus ausmacht
Lithium-Ionen-Akkus verlieren mit jedem vollständigen Zyklus ein wenig Kapazität. Ein Zyklus ist dabei nicht ein Anstecken, sondern der Verbrauch einer kompletten Ladung: Wer das Gerät zweimal am Tag von 80 auf 40 Prozent leerräumt und wieder auflädt, hat einen Zyklus verbraucht, egal wie oft das Kabel dazwischen im Anschluss steckte. Häufiges Zwischenladen ist deshalb kein Problem. Das ist die erste Korrektur an einer Regel, die viele noch aus den Neunzigern mitschleppen.
Die zweite: Ein Akku muss nicht regelmäßig ganz leer gefahren werden. Dieser Rat stammt von Nickel-Cadmium-Zellen und deren Memory-Effekt. Lithium-Ionen-Akkus mögen genau das Gegenteil, nämlich einen Ladestand irgendwo in der Mitte. Tiefentladung schadet ihnen, dauerhaft volle 100 Prozent ebenfalls, wenn auch weniger dramatisch.
Hitze ist der größte Faktor
Wer nur eine einzige Sache ändern will, sollte sich um die Temperatur kümmern. Wärme beschleunigt die chemische Alterung im Inneren dauerhaft, und anders als ein paar Ladezyklen macht sie sich nicht schleichend, sondern deutlich bemerkbar. Das Telefon auf dem Armaturenbrett hinter der Windschutzscheibe, in der Sonne am Strand oder nachts unter dem Kopfkissen am Kabel: Das sind die Situationen, die einem Akku wirklich zusetzen. Dazu habe ich im Sommer schon etwas zum Umgang mit Technik bei Hitze geschrieben, für den Akku gilt das doppelt.
Damit relativiert sich auch der schlechte Ruf des Schnellladens. Nicht die Wattzahl ist das Problem, sondern die Wärme, die dabei entsteht. Moderne Geräte drosseln von selbst, wenn es ihnen zu warm wird. Was hilft: die Hülle abnehmen, wenn mit hoher Leistung geladen wird, und das Gerät beim Laden nicht auf eine Decke oder ins Sofakissen legen.
Die 80-Prozent-Frage
Ein Akku, der ständig randvoll gehalten wird, altert schneller. Deshalb haben beide Systeme Gegenmaßnahmen eingebaut. Beim iPhone heißt sie „Optimiertes Laden“: Das Gerät lernt die üblichen Schlafenszeiten und hält den Ladestand die Nacht über bei 80 Prozent, um erst kurz vor dem Aufstehen vollzuladen. Neuere Modelle bieten zusätzlich eine feste Obergrenze, die den Akku gar nicht erst vollmachen. Android-Hersteller bauen Vergleichbares ein, mal als „Adaptives Laden“, mal als Schutz für den Akku in den Einstellungen unter Akku oder Gerätewartung.
Ob sich der Verzicht auf die letzten 20 Prozent lohnt, hängt vom Alltag ab. Wer abends zu Hause an der Steckdose sitzt und tagsüber selten unter 40 Prozent kommt, gewinnt damit spürbar Lebensdauer und verliert nichts. Wer den vollen Akku wirklich braucht, weil der Tag lang und die Steckdose weit ist, schaltet die Begrenzung besser ab und lädt lieber zwischendurch nach. Vor längeren Reisen lohnt ohnehin ein Blick auf die Vorbereitung des Telefons, die Ladeeinstellung gehört auf diese Liste.
Wo der aktuelle Zustand steht
Beim iPhone findet sich die Angabe unter Einstellungen, Batterie, Batteriezustand. Dort steht die maximale Kapazität in Prozent, bezogen auf den Neuzustand. Bei Android hängt es vom Hersteller ab: Aktuelle Pixel-Geräte zeigen den Wert direkt in den Akku-Einstellungen, bei Samsung führt der Weg über die Members-App und die Gerätediagnose, andere Hersteller verstecken ihn oder liefern ihn gar nicht. Wo nichts angezeigt wird, hilft eine Messapp wie AccuBattery, die den Zustand über mehrere Ladungen hinweg schätzt. Genau ist das nicht, für die Größenordnung reicht es.
Als Faustregel gilt: Unterhalb von etwa 80 Prozent Restkapazität wird der Alltag unangenehm, und die Kurve fällt danach schneller. Deutlichere Warnzeichen sind Abschaltungen bei noch zweistelligem Ladestand, plötzliche Sprünge von 40 auf 5 Prozent und ein Gerät, das im Leerlauf warm bleibt. Wölbt sich das Gehäuse oder lässt sich das Display anheben, ist der Akku aufgebläht. Dann gehört das Telefon sofort vom Ladegerät und in Reparatur, nicht in die Schublade.
Tauschen statt ersetzen
Ein Akkutausch kostet je nach Modell und Werkstatt einen kleinen Bruchteil eines neuen Geräts und macht aus einem müden Telefon wieder ein brauchbares. Beim iPhone und bei den größeren Android-Herstellern gibt es das offiziell, dazu kommen freie Werkstätten und, für Geübte, Reparatursets mit Anleitung. Wichtig ist die Zellqualität: Beim billigsten Nachbau spart man am falschen Ende, denn er sitzt fest verklebt im Gerät und geht im Zweifel im nächsten Sommer als Erstes in die Knie. Mittelfristig wird das Ganze einfacher, die EU-Batterieverordnung verlangt ab 2027, dass sich Akkus in Smartphones wieder leichter wechseln lassen.
Und wenn das Gerät trotzdem ersetzt wird: Ein altes Telefon mit schwachem Akku, das dauerhaft am Kabel hängt, taugt immer noch als Kamera fürs Haus. Die Rechenleistung von vor fünf Jahren reicht dafür locker, und der Akku spielt an der Steckdose keine Rolle mehr.
