
Ich habe mich an einem regnerischen Nachmittag hingesetzt und zusammengezählt, was auf meinen Geräten monatlich abgebucht wird. Textverarbeitung, Bildbearbeitung, Cloudspeicher, Passwortmanager, zwei Streamingdienste, eine Navigations-App mit Premiumfunktionen. Einzeln sind das jeweils Beträge, über die man nicht nachdenkt. In der Summe ist es ein Posten, den ich früher als Anschaffung eines kompletten Rechners verbucht hätte, und er kommt jedes Jahr wieder.
Vom Kauf zur Miete
Bis vor gut zehn Jahren war Software etwas, das man besaß. Man kaufte eine Version, benutzte sie, und irgendwann kaufte man eine neue, wenn die alte nicht mehr genügte. Der Wechsel kam mit Adobe, das seine Creative Suite 2013 auf ein reines Mietmodell umstellte, und Microsoft zog mit Office als Abodienst nach. Heute ist die Kaufversion die Ausnahme, und wo es sie noch gibt, ist sie im Funktionsumfang bewusst beschnitten.
Der Grund ist betriebswirtschaftlich einleuchtend. Ein Hersteller, der alle drei Jahre eine neue Version verkaufen muss, lebt von Sprüngen: erst monatelang Entwicklung ohne Einnahmen, dann ein Verkaufsstoß, dann wieder Flaute. Wer stattdessen monatlich abrechnet, hat planbare Einnahmen und kann kleinere Verbesserungen ausliefern, ohne sie für ein großes Versionsereignis aufzusparen. Aus Sicht der Buchhaltung ist das Abo die deutlich bessere Erfindung.
Was dabei tatsächlich besser wurde
Es wäre unehrlich, nur zu schimpfen. Manches funktioniert im Abo wirklich besser. Sicherheitsaktualisierungen erreichen alle Nutzer statt nur die, die den Sprung auf die neueste Version bezahlt haben. Wer eine Software nur für ein Projekt braucht, zahlt drei Monate statt einer Vollversion. Und Dienste, die laufende Kosten verursachen, weil Server im Hintergrund arbeiten, kann man ehrlicherweise gar nicht anders anbieten. Ein Cloudspeicher, für den man einmal zahlt und der dann zwanzig Jahre lang Strom frisst, ist kein Geschäftsmodell, sondern ein Versprechen, das irgendwann gebrochen wird.
Was mich daran stört
Mein Problem ist nicht der Preis, sondern die Abhängigkeit. Eine gekaufte Version lag auf meiner Platte und funktionierte auch dann noch, wenn mir die Preispolitik des Herstellers nicht mehr passte. Ein Abo endet, wenn ich aufhöre zu zahlen, und mit ihm oft der Zugriff auf die eigenen Dateien, jedenfalls dann, wenn sie in einem herstellereigenen Format vorliegen. Das ist der Punkt, an dem aus einem Vertrag ein Druckmittel wird: Preiserhöhungen lassen sich schwer ablehnen, wenn die Alternative bedeutet, zehn Jahre Arbeit nicht mehr öffnen zu können.
Dazu kommt die schleichende Verlagerung von Funktionen in die Cloud. Was früher lokal lief, braucht heute eine Verbindung, und damit hängt die Nutzbarkeit an einer Entscheidung, die anderswo getroffen wird. Wie schnell das ernst werden kann, habe ich beim Thema abgeschaltete Hersteller-Clouds beschrieben: Dort steht am Ende Hardware im Regal, die technisch heil ist und trotzdem nichts mehr tut.
Wenn die Hardware nachzieht
Beunruhigender finde ich, dass das Modell aus der Software heraus in Geräte wandert. Es gab den Versuch, Sitzheizungen im Auto monatlich freizuschalten, obwohl die Heizdrähte bereits verbaut waren; nach heftiger Kritik wurde er wieder eingestellt. Bei Druckern ist der Seitentarif längst Alltag, inklusive Geräten, die den Dienst verweigern, wenn das Abo ausläuft. Und bei Überwachungskameras ist die Aufzeichnung ohne Monatsgebühr oft auf wenige Sekunden begrenzt. In all diesen Fällen zahlt man den vollen Hardwarepreis und mietet anschließend die Nutzung dessen, was man gekauft hat.
Wie ich es inzwischen handhabe
Ich habe kein Rezept, das ohne Verzicht auskommt, aber drei Regeln, mit denen ich gut fahre. Erstens: Bei allem, was langfristig wichtig ist, achte ich auf offene Dateiformate. Solange meine Texte als reiner Text und meine Fotos als JPEG oder DNG vorliegen, ist der Wechsel zu einem anderen Programm eine Unbequemlichkeit und keine Katastrophe.
Zweitens: Wo eine offene Alternative existiert und mir zu neunzig Prozent reicht, nehme ich sie. LibreOffice, Darktable und KeePassXC sind nicht in jedem Detail so geschliffen wie die kommerzielle Konkurrenz, aber sie laufen auch dann noch, wenn niemand mehr Rechnungen schreibt.
Drittens: Daten, die mir gehören, liegen bei mir. Ein kleines NAS im Regal ersetzt für den Hausgebrauch den größten Teil dessen, wofür ich vorher Cloudspeicher gemietet habe. Die Anschaffung kostet einmalig etwa so viel wie zwei Jahre Speicherabo, und der Vergleich fällt mit jedem weiteren Jahr deutlicher aus.
Ganz ohne Abo komme ich trotzdem nicht aus, und ich halte das auch nicht für nötig. Was ich mir abgewöhnt habe, ist die Selbstverständlichkeit. Einmal im Jahr gehe ich die Liste der laufenden Verträge durch und streiche, was ich in den letzten Monaten nicht wirklich gebraucht habe. Beim letzten Durchgang waren das drei Positionen, von denen ich zwei komplett vergessen hatte.
