
Festplatten sterben selten mit Vorankündigung. Mal ist es ein Sturz vom Schreibtisch, mal ein stiller Defekt, mal ein Erpressungstrojaner oder schlicht der eigene Finger auf „Löschen“. Die gute Nachricht: Windows und macOS bringen alles mit, was ein solides automatisches Backup braucht, kostenlos und seit Jahren eingebaut. Man muss es nur ein einziges Mal einrichten. Dieser Artikel zeigt, wie das geht, und warum ein Backup erst dann eines ist, wenn die Wiederherstellung nachweislich funktioniert.
Die 3-2-1-Regel, pragmatisch ausgelegt
Die klassische Faustregel der Datensicherung lautet 3-2-1: drei Kopien der Daten, auf zwei verschiedenen Medientypen, davon eine außer Haus. Klingt nach Rechenzentrum, lässt sich aber wunderbar auf den Hausgebrauch übersetzen. Das Original liegt auf dem Rechner, die erste Kopie auf einer externen Platte, und die dritte Kopie wandert in ein Cloud-Postfach oder als zweite Platte in die Schublade bei Verwandten. Wer nicht sofort alle drei Stufen baut, sollte sich davon nicht abhalten lassen: Ein einziges automatisches Backup schlägt jede gute Absicht.
Das Wort „automatisch“ ist dabei der Kern. Das händische Kopieren wichtiger Ordner, immer dann, wenn man daran denkt, scheitert zuverlässig am Denken. Prioritäten setzt man am besten nach Ersetzbarkeit: Programme lassen sich neu installieren, Musik neu laden; Familienfotos, Dokumente und der Datentresor des Passwortmanagers sind unwiederbringlich.
Ein verbreiteter Irrtum gehört an dieser Stelle ausgeräumt: Cloud-Synchronisation wie OneDrive oder iCloud Drive ist kein Backup. Wer eine Datei löscht oder wessen Rechner sich einen Verschlüsselungstrojaner einfängt, synchronisiert das Unglück binnen Sekunden auf alle Geräte; die Papierkörbe und Versionsstände der Dienste mildern das nur begrenzt. Sync sorgt für Verfügbarkeit, ein Backup für Vergangenheit; man braucht das zweite.
Die Bordmittel: Dateiversionsverlauf und Time Machine
Windows: Dateiversionsverlauf
Der Dateiversionsverlauf sichert persönliche Ordner fortlaufend auf ein externes Laufwerk und behält dabei ältere Versionen jeder Datei. Zum Einrichten die externe Platte anschließen, dann in der Systemsteuerung den Punkt „Dateiversionsverlauf“ öffnen (die Suche im Startmenü findet ihn am schnellsten, auch unter Windows 11, wo er etwas versteckt liegt) und das Laufwerk auswählen. Gesichert werden standardmäßig die Bibliotheken, also Dokumente, Bilder, Musik, Videos und der Desktop; weitere Ordner nimmt man auf, indem man sie einer Bibliothek hinzufügt. In den erweiterten Einstellungen lassen sich Sicherungsintervall und Aufbewahrungsdauer anpassen; die Standardwerte sind für den Anfang völlig in Ordnung.
Der eigentliche Charme zeigt sich später: Über „Vorgängerversionen“ im Kontextmenü einer Datei oder den Punkt „Dateiversionen wiederherstellen“ lässt sich jede gesicherte Datei in einem älteren Stand zurückholen, etwa wenn ein Dokument zerschossen wurde und das Malheur erst Tage später auffällt. Wichtig zu wissen: Der Dateiversionsverlauf sichert persönliche Dateien, nicht das System. Wer nach einem Plattendefekt Windows samt Programmen nicht von Hand neu einrichten möchte, legt zusätzlich gelegentlich ein Systemabbild an; das passende Werkzeug versteckt sich in der Systemsteuerung hinter dem sperrigen Titel „Sicherung und Wiederherstellung (Windows 7)“, funktioniert aber auch in aktuellen Windows-Versionen. Für die meisten privaten Zwecke sind allerdings die Dateien der Teil, der wirklich zählt.
macOS: Time Machine
Auf dem Mac übernimmt Time Machine denselben Job, noch eine Spur eleganter. Externe Platte anschließen, in den Systemeinstellungen unter Time Machine als Backup-Volume auswählen, die angebotene Verschlüsselung aktivieren, fertig. Time Machine sichert danach stündlich alle Änderungen und dünnt automatisch aus: Aus stündlichen Sicherungen werden tägliche, aus täglichen wöchentliche, und wenn die Platte voll ist, fliegen die ältesten Stände zuerst. Wiederhergestellt wird wahlweise dateiweise über die Time-Machine-Ansicht, in der man durch die Zeit zurückblättert, oder komplett über den Migrationsassistenten, etwa beim Umzug auf einen neuen Mac.
Externe Platte oder NAS?
Die externe Festplatte ist der einfachste Weg: günstig, schnell eingerichtet, ohne Netzwerk-Gebastel. Ihre Schwäche ist der Anschluss selbst; gesichert wird nur, wenn sie angesteckt ist, und wenn sie dauerhaft am Rechner hängt, teilt sie dessen Schicksal bei Diebstahl, Brand oder Überspannung. Beim Notebook kommt hinzu, dass die Platte selten dann angeschlossen ist, wenn man es bräuchte.
Ein NAS, also ein kleiner Netzwerkspeicher, löst genau das: Sowohl der Dateiversionsverlauf als auch Time Machine können auf Netzwerkfreigaben sichern, und das Backup läuft dann automatisch, sobald das Gerät im Heimnetz ist. Mehrere Rechner im Haushalt sichern auf dasselbe Ziel. Dafür kostet ein NAS mehr Geld und Einarbeitung; wer es nicht ohnehin haben will, fährt mit einem Mittelweg gut: zwei externe Platten im Wechsel, von denen eine außer Haus lagert. Das deckt die 3-2-1-Regel fast nebenbei ab. In jedem Fall sollte das Backup-Ziel deutlich größer sein als der zu sichernde Bestand, damit Versionen Platz haben; randvolle Laufwerke sind auch abseits von Backups keine gute Idee, wie der Blick auf fast volle SSDs gezeigt hat.
Der wichtigste Schritt: Wiederherstellen üben
Ein Backup, aus dem noch nie etwas zurückgeholt wurde, ist eine Hoffnung, kein Backup. Deshalb gehört zur Einrichtung eine Probe: eine beliebige Datei auswählen, eine ältere Version davon an einen anderen Ort wiederherstellen und öffnen. Dauert fünf Minuten und beantwortet die einzige Frage, die im Ernstfall zählt. Sinnvoll ist außerdem ein wiederkehrender Kalendereintrag, vierteljährlich reicht: kurz prüfen, ob die letzte Sicherung tatsächlich von gestern stammt und nicht vom Frühjahr, weil irgendwann ein Kabel gezogen wurde und niemand die Warnung sah. Wer diese beiden Handgriffe zur Gewohnheit macht, hat dem Datenverlust den Schrecken weitgehend genommen; mit Werkzeugen, die schon auf dem Rechner waren.
