Festplatte und SSD sicher löschen, bevor das Gerät weiterzieht

Festplatte, mehrere SSDs, USB-Sticks und Speicherkarten liegen nebeneinander auf einer grauen Fläche

Ein altes Notebook soll verkauft werden, die ausgebaute Festplatte landet beim Wertstoffhof, das ausrangierte Handy geht an einen Bekannten. In allen drei Fällen stellt sich dieselbe Frage: Sind die eigenen Daten wirklich weg? Papierkorb leeren und formatieren reicht dafür nicht, und für SSDs gilt ein anderer Weg als für klassische Festplatten.

Warum Formatieren nicht genügt

Beim Löschen einer Datei verschwindet zunächst nur der Verweis im Dateisystem. Die Blöcke selbst bleiben liegen, bis sie zufällig überschrieben werden. Eine Schnellformatierung macht im Kern dasselbe: Sie legt ein neues Inhaltsverzeichnis an, nicht neue Daten. Wiederherstellungsprogramme, die es kostenlos gibt, finden auf so einem Datenträger anschließend erstaunlich viel. Vor jedem Löschversuch gilt deshalb ohnehin: erst sichern, dann löschen. Wie das mit Bordmitteln automatisch läuft, habe ich im Beitrag zu automatischen Backups beschrieben.

Klassische Festplatte: einmal überschreiben

Bei einer Festplatte mit rotierenden Scheiben ist die Sache einfach. Wird jeder Sektor einmal mit Nullen überschrieben, sind die alten Inhalte mit vertretbarem Aufwand nicht mehr zu rekonstruieren. Die alten Empfehlungen mit sieben oder fünfunddreißig Durchgängen stammen aus der Zeit deutlich geringerer Datendichten und kosten heute vor allem Stunden. Unter Windows erledigt das der Befehl zum vollständigen Formatieren, unter Linux ein einzelner Schreibdurchlauf über das gesamte Gerät. Bei einer 4-Terabyte-Platte sollte man trotzdem einen halben Tag einplanen.

SSD: überschreiben hilft nur bedingt

Eine SSD verteilt Schreibzugriffe absichtlich über den gesamten Speicher, damit die Zellen gleichmäßig altern. Das heißt auch: Wenn ein Programm meint, Block 12 zu überschreiben, landet der neue Inhalt womöglich woanders, und die alten Daten bleiben in einer Zelle liegen, die das Betriebssystem gar nicht ansprechen kann. Verlässlich sind hier zwei andere Wege.

Der erste ist Secure Erase, ein Befehl an den Controller der SSD selbst. Die meisten Hersteller liefern dafür ein eigenes Werkzeug, etwa Samsung Magician oder Crucial Storage Executive. Der Controller setzt intern alle Zellen zurück, und das dauert Sekunden statt Stunden.

Der zweite Weg ist der bequemere: Wer den Datenträger von Anfang an vollständig verschlüsselt, muss zum Löschen nur den Schlüssel verwerfen. Ohne ihn ist der Rest Rauschen. Genau das passiert bei aktuellen Macs, wenn man „Alle Inhalte und Einstellungen löschen“ wählt, und bei Smartphones beim Zurücksetzen auf Werkseinstellungen. Unter Windows leistet BitLocker dasselbe, unter Linux LUKS. Der Nebeneffekt: Auch ein Diebstahl des Geräts ist damit weit weniger dramatisch.

Kleinigkeiten, die gern vergessen werden

Beim Smartphone sollte das Google- oder Apple-Konto vor dem Zurücksetzen entfernt werden, sonst greift die Aktivierungssperre und der neue Besitzer steht vor einem gesperrten Gerät. Bei Rechnern lohnt ein Blick auf zweite Datenträger, die man vergisst, weil das System auf der ersten SSD liegt. Und wer ein gebrauchtes Notebook kauft, sollte umgekehrt davon ausgehen, dass der Vorbesitzer nichts davon getan hat, und den Datenträger vor der ersten Einrichtung selbst neu aufsetzen.

Bleibt der Fall, in dem sich der Datenträger nicht mehr ansprechen lässt, weil er defekt ist. Dann hilft nur die mechanische Lösung: aufschrauben, die Scheiben oder die Speicherchips zerstören, den Rest zum Recyclinghof. Das ist unelegant, aber es ist der einzige Weg, der auch bei einer Platte funktioniert, die sich nicht mehr anmeldet.

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