
Mein alter Tintenstrahler stand ein halbes Jahr unbenutzt in der Ecke, dann brauchte ich an einem Sonntagabend zwei Seiten Anmeldeformular. Das Gerät rumorte fünf Minuten lang, spülte sich frei und legte mir am Ende ein Blatt mit gestreiftem Schwarz hin. Zwei Patronen später war das Formular gedruckt. Seitdem beantworte ich die Frage „Tinte oder Laser“ nicht mehr über die Technik, sondern über das eigene Druckverhalten.
Die richtige Frage lautet: wie oft?
Beide Verfahren drucken sauber genug für alles, was zu Hause anfällt. Der Unterschied, der im Alltag wirklich weh tut, liegt woanders: Tinte ist flüssig und trocknet ein. Ein Tintenstrahler, der wochenlang stillsteht, verstopft an den Düsen und startet beim nächsten Einschalten einen Reinigungslauf, der wieder Tinte kostet. Toner dagegen ist ein Pulver. Ein Laserdrucker, der ein halbes Jahr in der Ecke stand, druckt nach dem Einschalten die erste Seite so, wie er die letzte gedruckt hat.
Daraus folgt die eigentliche Kaufentscheidung. Wer alle paar Wochen einen Stapel Text braucht, Formulare, Rechnungen, Bahntickets, fährt mit einem Schwarzweiß-Laser besser. Wer wöchentlich druckt und dabei regelmäßig Farbe oder Fotos ausgibt, ist bei Tinte richtig. Alles andere, Auflösung, Geschwindigkeit, Testsiegel, entscheidet weniger darüber, ob man mit dem Gerät zufrieden ist.
Was für den Laser spricht
Neben der Standfestigkeit ist es vor allem der Textdruck: schnell, gestochen scharf, und der Ausdruck ist wischfest und weitgehend wasserfest. Für Adressetiketten, Versandaufkleber oder Papiere, die in einen Ordner wandern und dort Jahre liegen, ist das ein handfester Vorteil. Eine Tonerkassette reicht außerdem für eine Seitenzahl, die eine Patrone nie erreicht, der Preis pro Textseite liegt entsprechend niedrig.
Die Nachteile sind ebenso deutlich. Laserdrucker sind größer, schwerer und lauter beim Anlaufen. Die Fixiereinheit muss heiß werden, was für ein paar Sekunden ordentlich Strom zieht und die erste Seite verzögert. Farblaser sind in der Anschaffung teuer und geben Fotos bestenfalls brauchbar wieder, für Urlaubsbilder taugen sie nicht. Und es gibt die seit Jahren laufende Diskussion um Feinstaub aus Tonergeräten. Belastbar entschieden ist sie nicht, aber es kostet nichts, den Drucker nicht direkt neben den Kopf auf den Schreibtisch zu stellen und den Raum nach längeren Druckläufen zu lüften.
Was für Tinte spricht
Tintenstrahler sind klein, leise und in der Anschaffung günstig. Sie drucken randlos, kommen mit Fotopapier und dickeren Medien zurecht und geben Farbverläufe weich wieder. Wer Bastelvorlagen, Kinderbilder oder gelegentlich ein Foto in ordentlicher Qualität braucht, bekommt das anders zu Hause nicht hin.
Der wunde Punkt sind die Patronen. Die eigentliche Kalkulation der Hersteller steckt nicht im Gerät, sondern im Nachschub, und je günstiger der Drucker war, desto deutlicher merkt man das. Eine Antwort darauf sind Tintentanksysteme, bei Epson EcoTank, bei Canon MegaTank, bei HP Smart Tank. Nachgefüllt wird aus Flaschen, die Anschaffung liegt höher, die Kosten je Seite fallen dafür sehr niedrig aus. Für Haushalte mit regelmäßigem Druckaufkommen ist das derzeit die vernünftigste Tintenlösung. Das Eintrocknungsproblem lösen aber auch diese Geräte nicht, sie stehen und fallen weiterhin mit regelmäßiger Benutzung.
Die Rechnung steht nicht auf dem Karton
Wer den Gerätepreis vergleicht, vergleicht die unwichtigere Hälfte. Ein paar Punkte, die ich mir vor dem Kauf ansehe:
- Was kostet das Verbrauchsmaterial, und für wie viele Seiten reicht es laut Hersteller? Erst daraus ergibt sich der Seitenpreis.
- Liegen dem Gerät volle Patronen oder Toner bei? Häufig sind es nur teilbefüllte Startkassetten, der erste Nachkauf kommt dann früher als gedacht.
- Ist die Bildtrommel beim Laser ein eigenes Verschleißteil oder in der Tonerkassette enthalten? Getrennt ist auf Dauer günstiger, muss aber irgendwann separat ersetzt werden.
- Bei Tintenabos gilt: Sie rechnen sich nur bei stabilem Volumen, und die gelieferten Patronen funktionieren nach dem Ende des Abos nicht einfach weiter.
Zum Thema Drittanbieter noch eine Einschränkung: Einzelne Hersteller haben per Firmware-Update fremde Patronen ausgesperrt. Wer fest mit günstigem Nachbau plant, sollte das einkalkulieren und automatische Updates am Drucker abschalten.
Was im Alltag mehr ausmacht als das Druckverfahren
Ein automatischer Duplexdruck spart bei Papierstapeln Zeit und Nerven. Eine geschlossene Papierkassette hält den Staub ab, während ein offener Einzelblatteinzug alles mitnimmt, was im Raum herumfliegt. Wichtiger als beides ist inzwischen der Netzwerkteil: WLAN mit AirPrint und Mopria bedeutet, dass Handy und Tablet ohne Treiberinstallation drucken. Kann das Gerät zusätzlich in einen Netzwerkordner scannen, landen Belege direkt dort, wo sie hingehören, etwa auf einem NAS im eigenen Netz, statt auf einem USB-Stick.
Wen der Stromverbrauch im Bereitschaftsbetrieb umtreibt, misst ihn einfach nach. Eine smarte Steckdose mit Messfunktion zeigt binnen einer Woche, ob sich das Abschalten lohnt oder ob das Gerät ohnehin fast nichts zieht.
Wie ich es inzwischen halte
Bei mir steht ein Schwarzweiß-Laser, und zwar ein gebrauchtes Bürogerät. Der Gedanke dahinter ist derselbe wie bei gebrauchten Business-Notebooks: Geräte, die für den Dauerbetrieb in einer Firma gebaut wurden, sind für den Hausgebrauch schlicht überdimensioniert und halten entsprechend lange. Der Seitenzähler im Menü verrät vor dem Kauf, wie viel das Gerät schon hinter sich hat, Ersatztoner gibt es für gängige Modelle jahrelang.
Die zwei bis drei Fotos im Jahr lasse ich beim Dienstleister drucken. Das Ergebnis ist besser als alles, was ein Heimdrucker liefert, und ich spare mir das Gerät, das ohnehin die meiste Zeit eintrocknen würde. Diese Aufteilung ist keine besonders elegante Lösung, aber sie hat bei mir das Sonntagabend-Problem endgültig beendet.
