
Wann haben Sie das letzte Mal in Ihren PC hineingeschaut? Bei den meisten Rechnern lautet die ehrliche Antwort: beim Kauf. Dabei arbeitet in jedem Tower eine Ansammlung von Lüftern, die jahrelang Staub durch das Gehäuse ziehen, bis Kühlkörper aussehen wie Filzmatten. Die Folgen sind schleichend: lautere Lüfter, höhere Temperaturen, im Extremfall ein Rechner, der unter Last die Leistung drosselt. Ein Frühjahrsputz schafft in einer halben Stunde Abhilfe und kostet außer einer Dose Druckluft nichts.
Erst messen, dann schrauben
Bevor der Schraubendreher zum Einsatz kommt, lohnt eine Bestandsaufnahme. Kostenlose Werkzeuge wie HWiNFO oder HWMonitor lesen die Temperatursensoren von Prozessor, Grafikkarte und SSD aus. Interessant sind zwei Werte: die Temperatur im Leerlauf und die unter Last, etwa nach zwanzig Minuten Spiel oder einem Videoexport. Moderne Prozessoren dürfen unter Volllast durchaus heiß werden, das ist so vorgesehen. Verdächtig ist es, wenn die Werte deutlich über denen des Vorjahres liegen, die Lüfter schon im Leerlauf aufdrehen oder der Takt unter Dauerlast sichtbar einbricht. Die Werte vor der Reinigung notieren; der Vorher-Nachher-Vergleich ist die beste Erfolgskontrolle. Nebenbei: Auch eine fast volle SSD bremst den Rechner, das gehört mit zum Frühjahrsputz, lässt sich aber ohne Schraubendreher erledigen.
Staub raus: die richtige Technik
Rechner ausschalten, Netzstecker ziehen, Seitenwand öffnen, und idealerweise das ganze Gerät auf den Balkon oder in den Hof tragen; was gleich aufgewirbelt wird, will niemand im Wohnzimmer haben. Dann kommt die Druckluft zum Einsatz, in kurzen Stößen und mit etwas Abstand. Die Reihenfolge: zuerst die Staubfilter des Gehäuses, die sich bei den meisten Modellen herausnehmen und unter Wasser abspülen lassen, dann die Gehäuselüfter, dann die Lamellen von CPU-Kühler und Grafikkarte, zum Schluss das Netzteil von außen durch die Gitter.
Zwei Handgriffe sind wichtig. Erstens: Lüfter beim Ausblasen mit einem Finger festhalten, damit sie nicht wie Turbinen hochdrehen; die dabei erzeugte Spannung und die hohen Drehzahlen bekommen den Lagern schlecht. Zweitens: Auf den Staubsauger verzichten, jedenfalls direkt an den Bauteilen. Die Düse kann statische Aufladung erzeugen und Bauteile beschädigen; als Auffangstation neben dem Gehäuse, während die Druckluft bläst, ist er dagegen erlaubt. Hartnäckige Filzschichten auf Kühllamellen löst ein weicher Pinsel. Notebooks sind übrigens ein Sonderfall: Hier hilft Druckluft durch die Lüftungsschlitze nur begrenzt, und wer das Gehäuse öffnet, sollte vorher klären, ob das der Garantie schadet; im Zweifel bleibt der Weg über eine Fachwerkstatt.
Lüfterkurven: leiser und kühler zugleich
Nach der Reinigung lohnt der Blick in die Lüftersteuerung, denn ab Werk sind viele Kurven unnötig nervös eingestellt. Im BIOS beziehungsweise UEFI, bei vielen Mainboards auch per Windows-Software wie Fan Control, lässt sich festlegen, bei welcher Temperatur die Lüfter wie schnell drehen. Ein bewährtes Muster: bis zur mittleren Temperatur eine niedrige, konstante Drehzahl für einen praktisch lautlosen Alltag, darüber ein zügiger, aber nicht abrupter Anstieg. Wichtig ist eine gewisse Trägheit, damit der Rechner nicht bei jeder kurzen Lastspitze aufheult. Wer einen kompakten Rechner besitzt, hat hier weniger Spielraum; warum kleine Gehäuse thermisch anders ticken, war schon im Artikel über den Mini-PC als Tower-Ersatz Thema.
Wärmeleitpaste: seltener nötig als gedacht
In Foren wird gern zur jährlichen Erneuerung der Wärmeleitpaste zwischen Prozessor und Kühler geraten. Das ist übertrieben. Ordentliche Paste hält viele Jahre; solange die Temperaturen nach der Staubentfernung wieder im normalen Bereich liegen, gibt es keinen Grund, den Kühler abzunehmen. Ein Tausch lohnt sich in drei Fällen: wenn die CPU-Temperatur trotz sauberer Lamellen und korrekt drehender Lüfter deutlich zu hoch bleibt, wenn der Kühler ohnehin demontiert wurde, oder wenn der Rechner ein Jahrzehnt auf dem Buckel hat und die Paste sichtbar ausgetrocknet ist. Dann gilt: alte Paste mit Isopropylalkohol restlos entfernen, neue sparsam auftragen, ein erbsengroßer Klecks in der Mitte genügt, den Rest verteilt der Anpressdruck.
Zum Abschluss die Seitenwand wieder montieren, den Rechner starten und dieselbe Messung wie zu Beginn wiederholen. Bei einem ordentlich eingestaubten Gerät sind spürbar niedrigere Lasttemperaturen und ein deutlich leiserer Betrieb die Regel. Wer die Prozedur einmal im Jahr wiederholt und die Staubfilter zwischendurch abspült, hat das Thema dauerhaft im Griff; der zweite Durchgang dauert erfahrungsgemäß nur noch die Hälfte der Zeit.
