
Ein Bekannter hat sein Handy im Zug liegen lassen. Bis er es gemerkt hat, war der Zug weg, und in den nächsten zwei Stunden ist ihm nacheinander eingefallen, was auf dem Gerät alles hängt: die Codes für die Zwei-Faktor-Anmeldung, die Bankkarte im Wallet, der Zugang zum Mailkonto, über das sich alles andere zurücksetzen lässt. Das eigentliche Problem war nicht der Verlust des Geräts. Es war, dass er in dem Moment nichts tun konnte, weil vorher nichts eingerichtet war.
Die Ortungsfunktion muss vorher an sein
Beide Systeme bringen eine Ortung mit, und beide funktionieren nur, wenn sie eingeschaltet wurden, bevor das Gerät verschwindet. Bei iPhones heißt die Funktion „Wo ist?“ und steckt in den Einstellungen ganz oben beim eigenen Namen. Bei Android findet sie sich in den Einstellungen unter Sicherheit beziehungsweise beim Google-Konto. Die Namen der Menüpunkte wandern von Version zu Version, die Suchfunktion in den Einstellungen ist der schnellere Weg.
Wichtig sind zwei Punkte, die gern übersehen werden. Erstens sollte die Ortung auch dann noch melden, wenn der Akku leer ist oder das Gerät offline geht; beide Systeme bieten dafür eine eigene Option, die nicht immer standardmäßig aktiv ist. Zweitens braucht man einen zweiten Weg, um die Ortungsseite überhaupt aufzurufen. Wer sich dort nur mit einem Code anmelden kann, den das verlorene Handy erzeugt, steht vor derselben Tür wie mein Bekannter.
Der Sperrbildschirm ist die eigentliche Hürde
Wer ein fremdes Handy in die Hand bekommt, sieht zuerst den Sperrbildschirm. Was dort erreichbar ist, entscheidet über den Schaden. Drei Einstellungen lohnen einen Blick:
- Benachrichtigungsinhalte verbergen. Sonst stehen eingehende Bestätigungscodes im Klartext auf dem gesperrten Display, und genau die braucht jemand, der ein Konto übernehmen will.
- Schnelleinstellungen im gesperrten Zustand einschränken. Wenn sich der Flugmodus ohne Entsperren aktivieren lässt, ist das Gerät für die Ortung sofort tot.
- Sechsstelliger Code statt vierstellig, und kein Muster, das man über die Wischspuren auf dem Glas nachzeichnen kann.
Dazu gehört eine ehrliche Einschätzung des Gesichts- oder Fingerabdruckscanners. Bequem ist beides, aber der Code dahinter ist das, was zählt, denn nach einem Neustart verlangt das Gerät immer ihn.
Was nicht nur auf dem Handy liegen darf
Die unangenehmste Entdeckung im Ernstfall ist meist die Zwei-Faktor-Anmeldung. Wenn die Codes ausschließlich in einer App auf genau diesem Gerät liegen, sperrt der Verlust einen aus allem aus, was damit gesichert ist. Deshalb gehören die Wiederherstellungscodes der wichtigsten Konten ausgedruckt in eine Schublade, und die Authenticator-App sollte so eingerichtet sein, dass sie sich auf ein neues Gerät übertragen lässt.
Ähnlich sieht es bei Passkeys aus: Die liegen im Schlüsselbund des Systems oder im Passwortmanager. Wo genau, sollte man wissen, bevor man es wissen muss. Und ein aktuelles Backup entscheidet darüber, ob der Verlust ein Ärgernis oder ein Datenverlust ist. Beide Systeme sichern automatisch, sobald das Gerät nachts am Strom und im WLAN hängt; ein Blick auf das Datum der letzten Sicherung dauert eine Minute.
Die Notizen für den Ernstfall
Ich habe mir eine kurze Liste angelegt, die nicht auf dem Handy liegt: IMEI-Nummer, Mobilfunkanbieter mit Sperr-Hotline, die Nummer der zentralen Sperrhotline für Karten, und der Hinweis, welche Bankkarten im Wallet hinterlegt sind. Die IMEI zeigt jedes Gerät in den Einstellungen unter Info an, sie steht außerdem auf der Originalverpackung. Die Polizei fragt danach, wenn eine Anzeige aufgenommen wird.
Kommt das Gerät weg, ist die Reihenfolge dann klar: orten und aus der Ferne sperren, den Verlustmodus mit einer Kontaktnummer auf dem Display einschalten, SIM sperren lassen, Passwörter der wichtigsten Konten ändern. Das Löschen aus der Ferne kommt zuletzt, weil danach in der Regel keine Ortung mehr möglich ist.
Der ganze Aufwand vorher liegt bei einer knappen halben Stunde. Mein Bekannter hat sein Handy übrigens wiederbekommen, drei Tage später über das Fundbüro der Bahn. Die drei Tage dazwischen hat er damit verbracht, Konten zurückzuholen, an die er ohne das Gerät nicht mehr herankam.
