KI-Assistenten im Alltag: Wobei sie helfen, wo sie nerven

Chatbot-Oberfläche auf einem Bildschirm

Meine These vorweg: KI-Assistenten sind gleichzeitig das nützlichste und das nervigste Werkzeug, das in den letzten Jahren auf unseren Geräten gelandet ist. Ich nutze ChatGPT, Claude und Co. inzwischen fast täglich, und trotzdem ertappe ich mich regelmäßig dabei, wie ich die Antworten kopfschüttelnd wieder lösche. Nach ein paar Jahren im Alltag mit diesen Werkzeugen ist es Zeit für eine nüchterne Bilanz: wobei sie wirklich helfen, wo sie stören, und wie man mit beidem umgeht.

Wo die Assistenten glänzen

Am stärksten sind die Sprachmodelle bei allem, was mit Text zu tun hat. Eine sperrige E-Mail freundlicher formulieren, ein Anschreiben straffen, aus Stichpunkten einen ordentlichen Absatz bauen: Das erledigen sie in Sekunden und meist besser, als es mir selbst im ersten Anlauf gelingt. Auch als Zusammenfasser sind sie stark. Ein zwanzigseitiges PDF, ein langes Protokoll, eine unübersichtliche Anleitung; auf die Frage „Was steht da drin, in fünf Sätzen?“ kommt fast immer eine brauchbare Antwort.

Der dritte große Gewinn ist Code. Wer gelegentlich ein Skript braucht, um Dateien umzubenennen oder eine Tabelle umzubauen, muss dafür kein Entwickler mehr sein. Man beschreibt das Problem in normalen Sätzen, bekommt ein Python- oder PowerShell-Skript zurück und kann bei Fehlermeldungen einfach nachfragen. Ich habe auf diese Weise kleine Helfer gebaut, die ich früher schlicht nicht gebaut hätte, weil der Aufwand den Nutzen überstiegen hätte. Das ist ein echter Unterschied zu den alten Sprachassistenten, die bei allem jenseits von Timer und Wetterbericht ausstiegen; wer sich erinnern will, wie bescheiden die Ansprüche damals waren, kann in unseren Siri-Tipps von 2016 blättern.

Wo sie nerven

Das größte Problem hat einen harmlosen Namen: Halluzinationen. Die Modelle erfinden Dinge, und sie tun es im Brustton der Überzeugung. Nicht existierende Bücher, falsche Paragraphen, ausgedachte Menüpunkte in Software, die es so nie gab. Das Tückische daran ist nicht der Fehler selbst, sondern die Verpackung: Eine falsche Antwort sieht exakt so aus wie eine richtige. Wer das einmal bei einem Thema erlebt hat, in dem er sich auskennt, liest alle anderen Antworten mit anderen Augen.

Dazu kommt der Stil. Die Texte aus der Maschine haben einen erkennbaren Sound: immer ausgewogen, immer strukturiert, gern mit Aufzählungen garniert und mit Floskeln gepolstert, die nach viel klingen und wenig sagen. „Es ist wichtig zu beachten“, „ein entscheidender Faktor“, dazu die notorische Schlussformel, dass es am Ende auf die individuellen Bedürfnisse ankomme. Je mehr solcher Texte im Netz landen, desto austauschbarer wird es dort; nicht zufällig habe ich an anderer Stelle argumentiert, warum ein eigener Blog mit eigener Stimme wieder Sinn ergibt.

Und schließlich nervt die Allgegenwart. Jeder Hersteller drückt inzwischen einen Assistenten in seine Produkte, ob man ihn gerufen hat oder nicht. Der Knopf im Office-Paket, das Symbol im Messenger, der Hinweis im Betriebssystem: Man wird das Gefühl nicht los, dass hier weniger ein Nutzerwunsch erfüllt als ein Feature untergebracht wird. Abschalten lässt sich das oft nur umständlich, wenn überhaupt.

Der Umgang: Praktikant, nicht Orakel

Mein Arbeitsmodell nach einigen Jahren Praxis: Ich behandle die Assistenten wie einen sehr schnellen, sehr belesenen Praktikanten. Erste Entwürfe, Zusammenfassungen, Umformulierungen, Denkanstöße: gern und jederzeit. Endgültige Fakten, Zahlen, Zitate, rechtliche oder medizinische Aussagen: grundsätzlich nachprüfen, und zwar an einer Quelle, die nicht selbst aus der Maschine stammt.

Ein paar Regeln haben sich bewährt. Erstens: je konkreter die Anfrage, desto besser das Ergebnis; „Kürze diesen Text auf die Hälfte und behalte die Beispiele“ schlägt „Mach das besser“. Zweitens: nachfragen kostet nichts, die zweite oder dritte Runde liefert oft erst das brauchbare Resultat. Drittens: nichts in ein Chatfenster tippen, was nicht auch auf einer Postkarte stehen dürfte; Verträge, Gehaltsdaten und fremde personenbezogene Daten haben dort nichts verloren, solange nicht klar ist, was der Anbieter damit macht.

Was am Ende bleibt

Die ehrliche Bilanz fällt bei mir zweigeteilt aus. Als Werkzeug für Sprache und Struktur sind KI-Assistenten ein Gewinn, auf den ich nicht mehr verzichten möchte; sie sparen mir jede Woche Stunden. Als Wissensquelle bleiben sie unzuverlässig, und als allgegenwärtige Einblendung in jeder zweiten App sind sie eine Zumutung. Beides gehört zusammen erzählt. Wer die Werkzeuge als das nimmt, was sie sind, nämlich Sprachmaschinen ohne Wahrheitsgarantie, holt viel aus ihnen heraus. Wer ihnen blind vertraut, wird früher oder später mit einer selbstbewusst vorgetragenen Falschauskunft auf die Nase fallen. Skepsis und Neugier schließen sich hier nicht aus; sie sind, im Gegenteil, die einzig sinnvolle Kombination.

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