
Vor ein paar Wochen habe ich für einen Bekannten einen Monitor ausgesucht. Er hatte sich vorher selbst durch die Filterlisten eines Elektronikversands geklickt und war ausgestiegen, verständlicherweise: In der Tabelle standen dreißig Werte nebeneinander, und der Unterschied zwischen zwei Geräten bestand am Ende aus einer Zahl bei „dynamischem Kontrast“, die überhaupt nichts bedeutet. Die Angaben, auf die es wirklich ankommt, sind eine ganze Ecke kürzer.
Größe und Auflösung sind eine Entscheidung, nicht zwei
Beide Werte einzeln zu betrachten führt zuverlässig in die Irre. Was zählt, ist ihr Verhältnis, also die Pixeldichte. Ein 24-Zöller mit Full HD und ein 27-Zöller mit WQHD liefern ein ähnlich feines Bild, weil die höhere Auflösung die größere Fläche ausgleicht. Ein 27-Zöller mit Full HD dagegen zeigt sichtbar grobe Kanten an Schriften, obwohl auf dem Karton dieselbe Auflösung steht wie beim kleineren Modell.
Als grobe Orientierung: 24 Zoll passen zu Full HD, 27 Zoll zu WQHD, ab 32 Zoll wird 4K sinnvoll. Bei 27 Zoll und 4K wird es wieder unübersichtlich, weil dort ohne Skalierung alles zu klein gerät. Windows und macOS können das, aber Skalierung bedeutet immer ein bisschen Rechnerei im Hintergrund und gelegentlich eine Anwendung, die unscharf aussieht. Wer sich diese Fragen ersparen will, bleibt bei einer Kombination, die ohne Skalierung funktioniert.
Der Paneltyp bestimmt, wie das Bild aussieht
Drei Kürzel tauchen ständig auf, und sie sagen mehr über den Alltag aus als jede Auflösungsangabe. IPS bietet die stabilsten Farben und Blickwinkel, tut sich aber mit tiefem Schwarz schwer; in einem dunklen Zimmer wirkt eine schwarze Fläche eher dunkelgrau. VA hält den Kontrast deutlich besser, schaltet dafür langsamer, was bei dunklen Bildinhalten zu Schlieren führen kann. TN ist schnell und günstig, hat aber so enge Blickwinkel, dass sich schon beim Verrutschen auf dem Stuhl die Farben ändern.
Für Schreibtischarbeit und gemischte Nutzung ist IPS die sichere Wahl. VA lohnt sich, wenn der Monitor überwiegend abends und für Filme läuft. TN würde ich heute nur noch kaufen, wenn Reaktionszeit über alles geht. OLED-Monitore sind inzwischen bezahlbar und beim Kontrast konkurrenzlos, tragen aber weiterhin das Risiko eingebrannter Bildinhalte, und genau das produziert ein Büroarbeitsplatz mit immer derselben Taskleiste und derselben Menüzeile den ganzen Tag.
Hertz: mehr als 60 merkt man auch ohne Spiele
Die Bildwiederholrate gilt als Spielerthema, das greift zu kurz. Der Unterschied zwischen 60 und 120 Hertz fällt schon beim Scrollen durch eine lange Seite und beim Bewegen des Mauszeigers auf, das Bild wirkt einfach ruhiger. Ein großer Sprung ist es nicht, aber es ist der eine Wert, bei dem sich ein Aufpreis auch ohne Spielambitionen bemerkbar macht.
Bei der Reaktionszeit lohnt Skepsis. Angaben wie „1 ms“ beziehen sich häufig auf Messverfahren, die mit dem tatsächlichen Schaltverhalten des Panels wenig zu tun haben. Wer darauf angewiesen ist, findet in unabhängigen Messungen belastbarere Zahlen als im Datenblatt des Herstellers.
Die Anschlüsse entscheiden über den Kabelsalat
Dieser Teil des Datenblatts wird am häufigsten überflogen und ärgert einen anschließend am längsten. Wichtig ist vor allem, ob der USB-C-Eingang tatsächlich Bild überträgt, denn dafür braucht er den DisplayPort Alt Mode, und ob er genug Strom zurückliefert, um das angeschlossene Notebook zu laden. Bei den Wattangaben lohnt ein zweiter Blick: 65 Watt reichen für ein schlankes Gerät, ein größeres Notebook unter Last zieht mehr. Passt beides, hängt am Rechner ein einziges Kabel für Bild, Strom, Tastatur und Maus. Dass die Kabel dafür längst nicht alle taugen, habe ich in einem eigenen Beitrag zu USB-C aufgeschrieben.
Sinnvoll ist außerdem ein integrierter USB-Hub, und wer zwei Rechner am selben Bildschirm nutzt, sollte nach einer KVM-Funktion suchen: Damit wandern Tastatur und Maus per Knopfdruck zusammen mit dem Bild auf den anderen Rechner. Bei HDMI ist die Version relevant, sobald hohe Auflösung und hohe Bildrate zusammenkommen sollen. Ältere Anschlüsse übertragen dann nur eines von beidem.
Werte, die nach viel aussehen und wenig bedeuten
Dynamischer Kontrast mit Angaben in Millionen entsteht dadurch, dass die Hintergrundbeleuchtung heruntergeregelt wird. Interessant ist allein das native Kontrastverhältnis, das bei IPS meist um 1000:1 liegt und bei VA deutlich darüber. Ähnlich verhält es sich mit HDR: Das Einstiegssiegel DisplayHDR 400 bekommt praktisch jedes halbwegs helle Gerät, ohne dass ein sichtbarer HDR-Effekt entsteht. Dafür braucht es hohe Spitzenhelligkeit und lokales Dimming, und beides kostet.
Unterschätzt wird dagegen die Mechanik. Ein Standfuß ohne Höhenverstellung zwingt zu Büchern unter dem Sockel, und das rächt sich nach zwei Stunden im Nacken. Neigen, drehen, in der Höhe verstellen: Wenn das fehlt, hilft die VESA-Aufnahme, mit der sich der Monitor an einen Halter schrauben lässt. Die gibt es an fast jedem Gerät, meist im Raster 100 mal 100 Millimeter.
Wie ich es inzwischen halte
An meinem Schreibtisch steht ein 27-Zoll-IPS mit WQHD und USB-C, gekauft aus derselben Überlegung heraus wie bei gebrauchten Business-Notebooks: Bürogeräte sind auf Dauerbetrieb ausgelegt, haben eine ordentliche Mechanik und werden gebraucht regelmäßig günstig abgegeben. Bildschirme veralten außerdem langsamer als fast alles andere auf dem Tisch, ein solides Gerät begleitet einen problemlos durch zwei oder drei Rechnergenerationen.
Und falls jemand den Stromverbrauch im Blick behalten will: Einfach eine Steckdose mit Messfunktion dazwischenstecken. Die Helligkeit von der Werkseinstellung auf ein angenehmes Maß herunterzudrehen bringt spürbar mehr als jeder Eco-Modus im Bildschirmmenü, und die Augen danken es abends ohnehin.
