NAS für Einsteiger: Die eigene Cloud im Wohnzimmer

NAS-Gehäuse mit Festplatten

Bei mir fing es mit einer vollen Dropbox an. Der Gratis-Speicher war erschöpft, das Abo hätte Jahr für Jahr Geld gekostet, und die Fotosammlung wuchs trotzdem munter weiter. Die Lösung stand am Ende in Form einer unscheinbaren schwarzen Box neben dem Router: ein NAS, ein Netzwerkspeicher fürs eigene Wohnzimmer. Wer mit dem Gedanken spielt, seine Daten aus fremden Clouds nach Hause zu holen, findet hier die wichtigsten Antworten für den Einstieg.

Was so eine Box eigentlich kann

NAS steht für Network Attached Storage, also Speicher, der am Netzwerk hängt statt an einem einzelnen Rechner. Im Kern ist es ein kleiner, sparsamer Computer mit Platz für Festplatten, der rund um die Uhr erreichbar ist. Alle Geräte im Haushalt greifen darauf zu: Der Windows-PC sieht das NAS als Netzlaufwerk, das MacBook sichert per Time Machine dorthin, das Smartphone lädt Fotos automatisch hoch, sobald es im WLAN ist.

Die großen Hersteller Synology, QNAP und Ugreen liefern dafür komplette Betriebssysteme mit App-Katalog. Eine Foto-App mit Gesichtserkennung ersetzt Google Fotos erstaunlich gut, eine Drive-App synchronisiert Ordner wie Dropbox, und mit Plex oder Jellyfin wird das NAS zum Medienserver für Filme und Serien im ganzen Haus. Dass diese Idee nicht neu ist, zeigt unser alter Artikel über den Nvidia Shield TV als Plex-Mediaserver; ein NAS macht dasselbe, nur mit deutlich mehr Speicher und ohne dass der Fernseher mitspielen muss.

Per Fernzugriff sind die eigenen Daten auch unterwegs erreichbar. Die Hersteller bieten dafür Relay-Dienste an, die ohne Netzwerkkenntnisse funktionieren. Komfortabel ist das allemal, nur sollte man wissen, dass dann wieder ein Anbieter zwischen einem selbst und den Daten sitzt; die Abwägung ähnelt der, die wir schon bei den Cloud-Anbindungen im Smart Home durchgespielt haben.

Warum zwei Schächte der vernünftige Einstieg sind

Für den Anfang reicht ein Modell mit zwei Festplattenschächten, ein sogenanntes 2-Bay-NAS. Darin laufen zwei Platten im RAID-1-Verbund: Beide speichern identische Daten, fällt eine aus, läuft alles auf der zweiten weiter. Man tauscht die defekte Platte, das System spiegelt sich neu, fertig. Wer mag, startet sogar mit nur einer Platte und rüstet die zweite später nach.

Bei den Festplatten lohnt der Griff zu NAS-Serien wie WD Red Plus oder Seagate IronWolf; die sind für Dauerbetrieb ausgelegt. Vier Terabyte pro Platte sind für Fotos, Dokumente und eine ordentliche Mediensammlung ein guter Startpunkt, nach oben ist Luft. Einsteigergeräte mit schwächerem Prozessor genügen für Dateiablage und Backups völlig; wer Videos transkodieren oder viele Apps parallel betreiben will, sollte zu den Plus-Modellen mit mehr Arbeitsspeicher greifen.

RAID ist kein Backup

Dieser Satz gehört in jede NAS-Anleitung, am besten fett gedruckt. Die Spiegelung schützt ausschließlich vor dem Ausfall einer Festplatte. Sie schützt nicht vor versehentlichem Löschen, denn das wird brav auf beide Platten gespiegelt. Sie schützt nicht vor Verschlüsselungstrojanern, nicht vor Blitzschlag, nicht vor Diebstahl und nicht vor dem umgekippten Wasserglas.

Ein NAS ersetzt also keine Backup-Strategie, es ist Teil einer. Bewährt hat sich die 3-2-1-Regel: drei Kopien der Daten, auf zwei verschiedenen Medientypen, eine davon außer Haus. Konkret heißt das etwa: Originale auf PC und Smartphone, Sicherung auf dem NAS, und zusätzlich eine verschlüsselte Kopie der wichtigsten Ordner auf einer USB-Platte im Schrank bei den Eltern oder in einem Cloud-Archiv. Die Hersteller-Tools erledigen solche Aufgaben zeitgesteuert; wie automatische Sicherungen grundsätzlich aufgesetzt werden, zeigt unser Ratgeber zu Backups mit Bordmitteln.

Strom, Lärm und die Frage nach dem Standort

Ein NAS läuft idealerweise durchgehend, und das schlägt sich auf der Stromrechnung nieder. Ein 2-Bay-Gerät genehmigt sich unter Last grob 20 bis 30 Watt, im Ruhezustand mit schlafenden Platten deutlich weniger. Übers Jahr gerechnet ist das kein Pappenstiel, aber verglichen mit einem dauerlaufenden alten Tower-PC ein Bruchteil. Zeitpläne helfen zusätzlich: Wer das NAS nachts schlafen legt, spart ohne spürbaren Komfortverlust.

Zum Thema Lärm: Die Geräte selbst sind leise, die Festplatten nicht immer. Ein leises Klackern und das Anlaufen der Platten hört man im stillen Wohnzimmer durchaus. Flur, Abstellraum oder ein Regal mit etwas Abstand zum Sofa sind die besseren Standorte, solange ein Netzwerkkabel hinreicht. WLAN ist für ein NAS übrigens keine gute Idee; die Kiste gehört per Kabel an den Router, sonst bremst die Funkstrecke jeden Fotoupload und jedes Backup spürbar aus.

Oder doch die fertige Cloud?

Ehrlicherweise ist ein NAS nicht für jeden das Richtige. Wer nur 100 Gigabyte Fotos sichern will, fährt mit einem kleinen Cloud-Abo bequemer und anfangs auch günstiger; die Anschaffung von Gerät und Platten kostet schließlich erst einmal einen mittleren dreistelligen Betrag. Die Cloud kümmert sich um Wartung, Ausfallsicherheit und Standort-Redundanz, ganz ohne eigenes Zutun.

Das NAS gewinnt auf lange Sicht und bei großen Datenmengen: keine Monatsgebühren, kein Anbieter, der Preise erhöht oder Konten sperrt, volle Kontrolle über die eigenen Daten. Dazu kommt der Bastelfaktor, den man mögen muss; ein bisschen Einrichtung und gelegentliche Updates gehören dazu. Mich hat die schwarze Box neben dem Router jedenfalls nie bereut wirken lassen: Die Dropbox ist längst gekündigt, und die Fotos von zehn Jahren liegen dort, wo sie hingehören. Zu Hause.

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