Bewässerung smart gesteuert: Der Garten gießt sich selbst

Rasensprenger bewässert einen Garten

Zwei Wochen Urlaub, und wer gießt die Tomaten? Die Nachbarin war schon letztes Jahr dran, die Kinder vergessen es, und die Wetter-App verspricht ausgerechnet für die Abwesenheit eine Hitzewelle. Kein Wunder, dass Bewässerung gerade in den Sommermonaten das Smart-Home-Thema schlechthin ist. Die Bandbreite reicht vom simplen Zeitschaltcomputer für den Wasserhahn bis zum sensorgesteuerten System, das Wetterdaten auswertet. Ich habe mir angesehen, was die verschiedenen Ansätze taugen und für wen sich welcher lohnt.

Der Bewässerungscomputer: dumm, aber verlässlich

Die einfachste Lösung kommt ganz ohne App aus. Ein Bewässerungscomputer von Gardena, Kärcher oder aus dem Baumarkt wird zwischen Wasserhahn und Schlauch geschraubt, per Drehrad oder Tastenfeld stellt man Uhrzeit, Dauer und Intervall ein. Danach öffnet das Ventil zuverlässig jeden Morgen um sechs, ob es regnet oder nicht. Genau das ist Stärke und Schwäche zugleich: Das Gerät funktioniert ohne WLAN, ohne Cloud und ohne Konto, es gießt aber eben auch stur ins Gewitter hinein und verschwendet dabei Wasser.

Für den reinen Urlaubsbetrieb ist das trotzdem oft genug. Ein Batteriesatz hält die Saison, und kaputtgehen kann an so wenig Elektronik erfreulich wenig.

App-Systeme und Sensoren: Gießen nach Bedarf

Die smarte Klasse darüber bilden Systeme wie Gardena smart water control oder Eve Aqua. Hier sitzt am Ventil ein Funkmodul, gesteuert wird per App, und damit beginnen die interessanten Möglichkeiten: Zeitpläne lassen sich aus dem Liegestuhl am Urlaubsort ändern, und das System kann auf Daten reagieren statt stur auf die Uhr. Ein Bodenfeuchtesensor im Beet meldet, ob überhaupt gegossen werden muss; die Wettervorhersage sorgt für eine automatische Regenpause, wenn ohnehin Schauer angekündigt sind. Das spart nicht nur Wasser, es tut auch den Pflanzen gut, denn seltenes, dafür durchdringendes Gießen ist für die meisten Gartenpflanzen besser als der tägliche Spritzer.

Die Kehrseite kennt jeder, der Smart-Home-Geräte besitzt: Viele Systeme hängen an einem Gateway und an der Cloud des Herstellers. Fällt der Server aus oder stellt der Anbieter den Dienst irgendwann ein, wird aus dem smarten Ventil ein Plastikklotz. Diese Abhängigkeit haben wir grundsätzlich schon im Artikel über Vor- und Nachteile der Smart-Home-Cloud beleuchtet, und sie gilt im Garten unverändert. Wer Wert auf lokale Steuerung legt, achtet auf Systeme mit Thread- oder Zigbee-Anbindung oder bindet die Bewässerung über Standards ein, wie sie Matter ins Smart Home bringt; dort tut sich seit einiger Zeit auch bei Gartengeräten etwas.

Balkon oder Garten: zwei verschiedene Aufgaben

Für die Kaufentscheidung lohnt ein ehrlicher Blick auf die eigene Grünfläche. Auf dem Balkon mit acht Töpfen ist ein vollwertiges Bewässerungssystem mit Wasserhahn-Anschluss oft gar nicht möglich, weil schlicht der Hahn fehlt. Hier funktionieren Lösungen mit Pumpe und Wassertank: Ein Vorratsbehälter, eine kleine akkubetriebene oder per Zeitschaltuhr gesteuerte Pumpe und dünne Tropfschläuche zu den Töpfen überbrücken zwei Urlaubswochen problemlos. Wer eine schaltbare Steckdose übrig hat, kann eine simple Tauchpumpe sogar darüber takten; was solche Steckdosen sonst noch können, steht in unserem Artikel zum Sparpotenzial smarter Steckdosen.

Im Garten dreht sich die Rechnung. Je größer die Fläche und je gemischter die Bepflanzung, desto mehr zahlt sich Automatisierung aus: mehrere Bewässerungszonen mit eigenen Zeitplänen, Tropfschläuche für die Beete, Sprinkler für den Rasen, dazu ein oder zwei Feuchtesensoren an den kritischen Stellen. Der Aufbau kostet ein Wochenende und danach vor allem: keine Gedanken mehr.

Lohnt sich das?

Meine Einschätzung nach einer Saison mit Sensor und App: Der reine Komfortgewinn ist real, aber der eigentliche Wert liegt woanders. Die Pflanzen bekommen gleichmäßiger Wasser, als ich es je von Hand geschafft habe, und der Verbrauch sinkt spürbar, weil Regen und Bodenfeuchte endlich mitentscheiden. Für den kleinen Balkon reicht die Tank-und-Pumpe-Lösung oder der klassische Bewässerungscomputer; das smarte Komplettsystem spielt seine Stärken erst im Garten mit mehreren Zonen aus. Und die Tomaten? Haben den Urlaub besser überstanden als ich den Rückflug.

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