Smarte Steckdosen: Kleine Helfer mit großem Sparpotenzial

Stecker in einer Steckdose

Der Fernseher ist aus. Sagt er jedenfalls. Tatsächlich wartet er im Standby auf die Fernbedienung, der AV-Receiver darunter tut es ihm gleich, und das Netzteil der Spielkonsole ist auch nicht ganz untätig. Einzeln sind das Kleinigkeiten; über das Jahr summiert sich daraus ein Posten auf der Stromrechnung, den niemand bestellt hat. Smarte Steckdosen versprechen genau hier Abhilfe, und anders als manche Smart-Home-Spielerei halten sie das Versprechen tatsächlich. Man muss nur wissen, wo sie sinnvoll sind und wo nicht.

Erst messen, dann schalten

Der unterschätzte Teil vieler smarter Steckdosen ist die Verbrauchsmessung. Modelle mit Messfunktion zeigen in der App, was ein angeschlossenes Gerät gerade zieht, und protokollieren den Verbrauch über Tage und Wochen. Damit wird aus Bauchgefühl Wissen: der alte Drucker, der angeblich „nur bereit“ ist, der Receiver im Schnellstartmodus, die Ladegeräte, die dauerhaft in der Steckerleiste stecken. Ich habe auf diese Weise einen betagten Verstärker als heimlichen Dauerverbraucher entlarvt; sein Standby lag höher als der Betrieb des Routers.

Wer die Übeltäter kennt, kann gezielt handeln. Manche Geräte wandern dauerhaft an die schaltbare Dose, andere entpuppen sich als harmlos und dürfen bleiben. Schon dafür lohnt sich eine einzelne Messsteckdose, die reihum durch die Wohnung wandert. Gute Modelle zeigen dabei nicht nur Momentanwerte, sondern rechnen den Verbrauch aufs Jahr und auf Wunsch in Kosten um; das macht die Entscheidung leicht, ob sich der Handgriff für ein bestimmtes Gerät überhaupt lohnt.

Zeitpläne: der Klassiker, nur bequemer

Mechanische Zeitschaltuhren gab es schon vor Jahrzehnten; die smarte Variante macht dasselbe, nur ohne Drehrädchen und mit mehr Flexibilität. Zeitpläne lassen sich in der App anlegen und jederzeit ändern, auf Wunsch gekoppelt an Sonnenauf- und -untergang, und per Fernzugriff lässt sich prüfen, ob die Dose wirklich aus ist. Typische Kandidaten: die komplette TV-Ecke, die nachts vom Netz geht, die Weihnachtsbeleuchtung, das Aquarienlicht, Ladegeräte, die nicht bis zum Morgen am Strom hängen müssen. Ein Nebeneffekt, der mit Sparen nichts zu tun hat: Im Urlaub schalten dieselben Dosen Stehlampen zu wechselnden Zeiten ein und aus und simulieren so ganz nebenbei ein bewohntes Haus.

Beim Kauf lohnt der Blick auf den Funkstandard. Wer auf Matter achtet, bleibt unabhängig vom Ökosystem eines Herstellers; und ob eine Dose zwingend die Cloud braucht oder lokal schaltet, ist ein Kriterium, das ich an anderer Stelle ausführlicher behandelt habe. Kurzfassung: lokal schaltende Dosen funktionieren auch dann noch, wenn der Hersteller die Lust an seinen Servern verliert.

Wo smarte Steckdosen nichts verloren haben

Kühlschrank und Gefriertruhe sind tabu, aus offensichtlichen Gründen. Waschmaschine und Geschirrspüler vertragen den harten Stromschnitt ebenfalls schlecht; ein unterbrochenes Programm setzt sich nach dem Wiedereinschalten nicht von selbst fort. PCs und Netzwerkspeicher gehören genauso wenig an eine Schaltdose, weil ein Stromschnitt im laufenden Betrieb Daten kosten kann. Und alles, was heiß wird, also Heizlüfter, Bügeleisen oder Wasserkocher, sollte grundsätzlich nicht ferngeschaltet werden, wenn niemand daneben steht.

Dazu kommt eine unspektakuläre Falle: Geräte mit mechanischem Netzschalter starten nach dem Wiedereinschalten der Dose oft gar nicht von allein. Die smarte Steckdose gibt dann zwar Strom, das Gerät bleibt trotzdem aus. Vor dem Festverdrahten eines Zeitplans also einmal testen, ob das Gerät nach einer Stromunterbrechung wieder in den gewünschten Zustand findet.

Und der große Hebel Heizung? Da richtet eine Steckdose wenig aus. Wer beim Heizen sparen will, ist bei smarten Thermostaten deutlich besser aufgehoben; die Größenordnungen sind schlicht andere.

Bleibt die ehrliche Bilanz: Smarte Steckdosen sind günstig, in Minuten eingerichtet und amortisieren sich an den richtigen Stellen von selbst. Sie sind kein Wundermittel gegen hohe Stromrechnungen, aber ein präzises Werkzeug gegen die vielen kleinen Dauerverbraucher, die sonst niemand bemerkt. Eine Messdose zum Aufspüren, zwei oder drei Schaltdosen an den notorischen Ecken; mehr braucht es in den meisten Haushalten gar nicht.

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