
Auf der Verpackung eines Smartphones stehen Kameraauflösung, Speichergröße und Displaydiagonale. Wie lange das Gerät noch Sicherheitsupdates bekommt, steht dort so gut wie nie, obwohl genau diese Angabe darüber entscheidet, wie lange man es guten Gewissens benutzen kann. Ich habe bei meinen eigenen Geräten nachgesehen, wo die Frist tatsächlich zu finden ist, und dabei festgestellt, dass sie schwerer aufzutreiben ist als jeder Benchmark-Wert.
Update ist nicht gleich Update
Zwei Dinge werden gern in einen Topf geworfen. Das eine sind Versionssprünge des Betriebssystems, also neue Funktionen und ein verändertes Bedienkonzept. Das andere sind Sicherheitspatches, die bekannt gewordene Lücken schließen, ohne dass sich an der Oberfläche etwas ändert. Für die Frage, ob ein Gerät noch benutzbar ist, zählt fast ausschließlich das Zweite. Ein Telefon, das keine neue Android-Version mehr bekommt, aber weiter monatlich gepatcht wird, ist unkritisch. Umgekehrt wird es unangenehm.
Lücken werden laufend gefunden und inzwischen auch verpflichtend gemeldet, wie die neuen Meldefristen im Cyber Resilience Act zeigen. Das bedeutet aber nur, dass die Schwachstelle bekannt wird, nicht dass sie auf jedem Gerät auch geschlossen wird. Wer keine Patches mehr erhält, erfährt von der Lücke also, kann aber nichts dagegen tun.
Wo die Restlaufzeit steht
Bei Android führt der Weg über die Einstellungen zum Punkt „Über das Telefon“ und dort zur Zeile „Sicherheitsupdate“. Das angezeigte Datum ist der Patchstand, nicht das Ende der Versorgung. Liegt es mehr als drei bis vier Monate zurück, obwohl das Gerät online ist, hat die Versorgung faktisch schon aufgehört, egal was der Hersteller offiziell verspricht. Ein zweiter Eintrag heißt „Google Play-Systemupdate“ und läuft getrennt davon; über diesen Kanal werden einzelne Systemkomponenten auch dann noch aktualisiert, wenn der Hersteller selbst nichts mehr liefert.
Das eigentliche Enddatum steht nicht auf dem Gerät, sondern auf den Supportseiten der Hersteller. Google und Samsung veröffentlichen dort Listen mit dem Monat, bis zu dem ein Modell versorgt wird. Bei Apple gibt es keine solche Zusage; man ist auf die Beobachtung angewiesen, welche Modelle die jeweils neue iOS-Version noch bekommen und welche älteren Geräte weiter Sicherheitsupdates für die Vorgängerversion erhalten. In der Praxis fährt Apple damit seit Jahren gut, verbindlich ist es trotzdem nicht.
Was die Hersteller derzeit zusagen
Im oberen Preissegment hat sich einiges bewegt. Google sagt seit dem Pixel 8 sieben Jahre Betriebssystem- und Sicherheitsupdates zu, Samsung seit der Galaxy-S24-Reihe ebenfalls sieben Jahre. Das ist ein deutlicher Sprung gegenüber den drei bis vier Jahren, die davor üblich waren.
In der Mittelklasse und darunter sieht es anders aus. Dort sind kürzere Zeiträume die Regel, und bei sehr günstigen Geräten kleinerer Marken findet man teilweise gar keine belastbare Aussage. Genau dort lohnt die Suche vor dem Kauf am meisten, denn ein Telefon für 180 Euro, das nach zwei Jahren keine Patches mehr sieht, ist über die Nutzungsdauer gerechnet kein gutes Geschäft.
Seit Sommer 2025 greift zusätzlich eine EU-Vorgabe für neu auf den Markt gebrachte Smartphones und Tablets: mindestens fünf Jahre Sicherheitsupdates nach dem Ende des Verkaufszeitraums, dazu Vorgaben für Ersatzteile und Akkulaufzeit. Das hebt vor allem den unteren Rand an. Für ein Gerät, das man bereits besitzt, ändert die Regel nichts.
Wenn die Versorgung ausläuft
Am Stichtag passiert erst einmal nichts. Das Telefon funktioniert weiter, Apps starten, Anrufe kommen an. Der Browser bleibt sogar noch eine Weile aktuell, weil Chrome und die System-Webview bei Android über den Play Store gepflegt werden, teilweise über das Support-Ende hinaus. Was fehlt, sind Korrekturen tiefer im System, also genau an den Stellen, die man selbst nicht ersetzen kann.
Die Situation ähnelt dem, was gerade bei Windows 10 und dessen auslaufender Verlängerung zu beobachten ist: Das Risiko steigt nicht schlagartig, sondern schleichend, und irgendwann ziehen die Anbieter von Banking- und Ausweis-Apps nach und verweigern den Start auf zu alten Systemen. Meist ist das der Punkt, an dem sich die Frage von selbst beantwortet.
Drei Wege bleiben. Erstens: das Gerät weiter nutzen, aber ohne Banking, Wallet und Zugang zum Hauptmailkonto, also mit deutlich reduziertem Schadenspotenzial. Zweitens: es umwidmen, als Wecker, Musikabspieler, Kamera für die Werkstatt oder Wandpanel für die Haussteuerung, dann auch gern ohne Konto und ohne Netzzugang. Drittens: ein alternatives System aufspielen. LineageOS und ähnliche Projekte versorgen etliche ältere Modelle weiter, verlangen aber einen entsperrten Bootloader, etwas Geduld und die Bereitschaft, auf Details wie eine gut funktionierende Kamerasoftware zu verzichten.
Vor dem nächsten Kauf
Ich schlage inzwischen das Support-Enddatum nach, bevor ich mir ein Modell überhaupt genauer ansehe. Zusammen mit dem Zustand des Akkus ergibt sich daraus die realistische Nutzungsdauer, und die entscheidet über den Preis pro Jahr. Ein Gerät für 600 Euro mit sieben Jahren Versorgung liegt rechnerisch unter einem für 300 Euro, das nach drei Jahren ersetzt werden muss. Dass die Hersteller diese Zahl nach wie vor nicht auf den Karton drucken, dürfte kein Zufall sein.
