Speicher voll: Platz zurückholen, ohne das Falsche zu löschen

Geöffnete Festplatte mit sichtbarer Magnetscheibe und Schreibarm

Der Hinweis kommt selten zu einem passenden Zeitpunkt: kein Speicherplatz mehr. Bei mir war es zuletzt mitten in einem Videoschnitt, und die erste Reaktion war die falsche. Ich habe angefangen, im Downloads-Ordner herumzuklicken und einzelne Dateien wegzuwerfen, in der Hoffnung, dass genug zusammenkommt. Es kamen 900 Megabyte zusammen, gebraucht hätte ich zwölf Gigabyte. Wer aufräumt, ohne vorher zu messen, verliert Zeit und löscht am Ende doch das Falsche.

Zuerst messen, dann löschen

Beide großen Systeme bringen eine Übersicht mit. Unter Windows steht sie in den Einstellungen unter System und dort bei Speicher, unter macOS in den Systemeinstellungen bei Allgemein und Speicher. Beide teilen den belegten Platz in Kategorien auf: Apps, Dokumente, Fotos, temporäre Dateien, System. Das reicht für die grobe Richtung.

Für die Details lohnt sich ein Werkzeug, das den ganzen Datenträger durchgeht und die Ordner nach Größe sortiert, oft als Kacheldiagramm. Unter Windows sind WizTree und WinDirStat verbreitet, unter macOS GrandPerspective, unter Linux der Baobab, der bei vielen Distributionen mitkommt. Der Unterschied zur Bordübersicht ist deutlich: Statt der Kategorie Dokumente sehe ich den einen Projektordner, der seit zwei Jahren 40 Gigabyte belegt.

Ein Handgriff, den ich mir angewöhnt habe: die aktuelle freie Kapazität notieren, bevor es losgeht. Sonst lässt sich hinterher nicht sagen, welcher Schritt tatsächlich etwas gebracht hat.

Die Reihenfolge, die sich bewährt hat

  1. Papierkorb leeren. Klingt banal, aber gelöschte Dateien belegen dort weiter Platz. Bei macOS zusätzlich in der Fotos-App nachsehen: Die hat ihren eigenen Papierkorb, in dem Bilder 30 Tage liegen bleiben.
  2. Downloads durchgehen. Der Ordner ist bei den meisten das größte Sammelbecken für Dinge, die einmal gebraucht wurden. Nach Größe sortieren, nicht nach Datum, dann sind die Installationsdateien und Videos sofort oben.
  3. Temporäre Dateien und Systemreste. Windows hat dafür die Datenträgerbereinigung, die auch alte Update-Bestände anbietet. Das kann zweistellig Gigabyte bringen, macht aber die Rückkehr zur vorherigen Windows-Version unmöglich, also erst nach ein paar stabilen Wochen anfassen.
  4. Programme aussortieren. Die Liste der installierten Anwendungen nach Größe sortieren und ehrlich sein, was davon im letzten Jahr geöffnet wurde.
  5. Caches der Anwendungen. Browser, Musikdienste und Videoprogramme legen Zwischenspeicher an, die über die Jahre wachsen. Offline gespeicherte Serien und Podcasts sind hier die üblichen Verdächtigen.
  6. Große Einzeldateien. Jetzt erst das Kacheldiagramm von oben abarbeiten: alte Systemabbilder, virtuelle Maschinen, Videorohmaterial, Spiele, die man durchgespielt hat.

Wo ich vorsichtig bin

Reinigungsprogramme, die alles auf einen Klick erledigen wollen, kommen mir nicht mehr auf den Rechner. Sie räumen Registry-Einträge auf, deren Nutzen zweifelhaft ist, und der Zeitgewinn ist gering. Die Bordmittel machen dieselbe Arbeit und wissen dabei besser, was sie anfassen dürfen.

Ebenfalls tabu sind Ordner, deren Zweck ich nicht kenne. Wenn das Analysewerkzeug einen großen Systemordner anzeigt, ist das kein Aufräumkandidat. Unter macOS ist der Ordner mit den Snapshots der Zeitmaschine so ein Fall: Er sieht groß aus, wird vom System aber automatisch verkleinert, sobald der Platz knapp wird.

Und der wichtigste Punkt: Vor einer größeren Aufräumaktion gehört ein aktuelles Backup dazu. Nicht, weil das Löschen gefährlich wäre, sondern weil man in dieser Stimmung Dinge wegwirft, die man drei Wochen später doch sucht.

Damit es nicht in einem Jahr wieder eng wird

Dauerhaft hilft nur, den Zufluss zu bremsen. Bei mir sind es drei Gewohnheiten. Erstens läuft die automatische Bereinigung des Downloads-Ordners nach 30 Tagen, beide Systeme bieten das an. Zweitens liegen abgeschlossene Projekte nicht mehr auf dem Notebook, sondern auf einer externen Platte und im Netzwerkspeicher. Drittens schaue ich beim Fotoabgleich hin: Wer alle Bilder in Originalauflösung auf jedem Gerät synchronisiert, füllt damit zuverlässig auch die nächste Festplatte.

Falls die Rechnung trotz allem nicht aufgeht, ist das ein Signal und keine Niederlage. Eine größere SSD kostet weniger als ein Arbeitstag Aufräumen, und der Umstieg ist unkompliziert. Die alte Platte wandert dann als Reserve in die Schublade, allerdings erst, nachdem sie ordentlich geleert wurde.

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