USB-C ist nicht gleich USB-C: Was das Kabel wirklich kann

Schwarzes USB-C-Kabel mit Metallstecker an einem Adapter auf heller Marmorfläche

In meiner Schublade liegen acht USB-C-Kabel, und jedes davon passt in jede Buchse. Trotzdem hat mich neulich eine externe SSD einen halben Abend gekostet: Mit dem erstbesten Kabel aus der Schublade kroch die Sicherung vor sich hin, mit dem Kabel aus dem Karton der SSD war dieselbe Datenmenge in wenigen Minuten durch. Ansehen kann man einem Kabel das nicht, und genau darin liegt das Ärgernis mit dem angeblich einheitlichen Anschluss.

Ein Stecker, drei völlig getrennte Aufgaben

USB-C ist zunächst nur eine Steckerform: oval, verdrehsicher, an beiden Enden gleich. Was durch das Kabel läuft, regeln Standards, die mit dieser Form nichts zu tun haben. Drei Dinge kann so ein Kabel transportieren, und es muss keines davon können: Strom, Daten und ein Bildsignal. Die meisten Kabel, die Geräten beiliegen, beherrschen im Grunde nur das Erste.

Daten: Die Mehrheit ist innerlich USB 2.0

Kabel, die Smartphones, Kopfhörern oder Powerbanks beiliegen, sind fast immer reine USB-2.0-Kabel. Das bedeutet 480 Mbit/s auf dem Papier und in der Praxis grob 30 bis 40 MB/s. Zum Laden ist das völlig egal, beim Kopieren nicht: Ein 50-GB-Ordner braucht damit deutlich über 20 Minuten. Ein Kabel nach USB 3.2 Gen 2 schafft 10 Gbit/s und bleibt bei derselben Datenmenge im einstelligen Minutenbereich, sofern Laufwerk und Anschluss mitspielen. USB4 und Thunderbolt gehen bis 40 Gbit/s, das ist für Festplatten und normale SSDs aber längst mehr, als sie ausreizen können.

Eine grobe Faustregel aus der Praxis: Ist ein Kabel auffällig dünn, sehr biegsam und trägt keinerlei Aufdruck, ist es mit hoher Wahrscheinlichkeit ein reines Ladekabel. Schnelle Kabel führen zusätzliche Adernpaare und sind dadurch dicker und steifer. Wer regelmäßig größere Datenmengen auf eine externe Platte schiebt, etwa für automatische Backups mit Bordmitteln, merkt den Unterschied bei jedem Lauf.

Strom: Bei 60 Watt endet das Standardkabel

Ein gewöhnliches USB-C-Kabel überträgt bis zu 3 A. Bei 20 V sind das 60 Watt, und damit ist ohne Zusatz Schluss. Wer mehr will, braucht ein Kabel mit E-Marker, einem kleinen Chip im Stecker, der dem Netzteil mitteilt, dass 5 A zulässig sind. Erst dann sind 100 Watt drin. Die neueren Spezifikationen gehen mit höheren Spannungen bis 240 Watt, dafür braucht es aber ausdrücklich dafür ausgelegte Kabel.

Im Alltag zeigt sich das so: Das Notebook lädt am 100-Watt-Netzteil langsamer als erwartet oder im Betrieb gar nicht, obwohl beide Seiten die Leistung könnten. Gefährlich ist das nicht, Netzteil und Gerät handeln vorher aus, was zulässig ist, und im Zweifel bleibt es eben bei 60 Watt. Es kostet nur Zeit. Wer sich ohnehin fragt, was dem Akku guttut, findet dazu einiges in Akku richtig laden: Mythen und Fakten.

Bild: Ohne DisplayPort Alt Mode bleibt der Monitor dunkel

Der dritte Fall ist der, bei dem die meisten stutzen. Damit ein Monitor über USB-C läuft, müssen der Anschluss am Rechner und das Kabel den DisplayPort Alt Mode unterstützen. Ein Ladekabel scheitert hier zuverlässig, weil ihm schlicht die schnellen Adernpaare fehlen, über die das Bildsignal läuft. Der Rechner meldet dann keinen Fehler, es passiert einfach nichts.

Am Gerät hilft ein Blick auf das kleine Symbol neben der Buchse. Ein Thunderbolt-Blitz oder ein DP-Kürzel zeigen an, dass Bild möglich ist. Steht dort nur das nackte USB-Symbol, kann der Port oft nur laden und Daten übertragen. Besonders bei gebrauchten Geräten lohnt der Blick, denn bei älteren Modellen ist häufig nur einer von zwei USB-C-Anschlüssen voll ausgestattet. Wer sich in dem Bereich umsieht, findet in Gebrauchte Business-Notebooks ein paar Hinweise darauf, worauf beim Kauf sonst noch zu achten ist.

Länge kostet Tempo

Ein Punkt, der gern übersehen wird: Bei hohen Datenraten ist die Kabellänge kein Detail. Passive Kabel für 40 Gbit/s sind typischerweise nicht länger als etwa 80 Zentimeter. Alles darüber braucht aktive Kabel mit Elektronik im Stecker, die entsprechend teurer sind. Für reine Ladekabel gilt das nicht, die dürfen ohne Weiteres zwei Meter und mehr messen. Wer also ein langes Kabel kauft, weil es bequem ist, bekommt beim Datentempo fast zwangsläufig weniger.

Was bei mir Ordnung gebracht hat

Ich habe irgendwann die halbe Schublade aussortiert und den Rest beschriftet, mit kleinen Klebeetiketten direkt am Stecker: „Laden“, „SSD“, „Monitor“. Das klingt pedantisch, spart aber genau die Sucherei, die sonst jedes Mal anfällt. Dazu liegt an jedem Arbeitsplatz ein Kabel, das alles kann, damit im Zweifel nicht wieder das falsche in der Hand liegt.

Beim Kauf achte ich inzwischen nur noch auf zwei Dinge: Steht auf Verpackung oder Steckergehäuse eine konkrete Angabe in Gbit/s und Watt, ist das ein gutes Zeichen. Fehlt jede Angabe, gehe ich vom Minimum aus und behandle das Kabel als Ladekabel. Der einheitliche Stecker war ein echter Fortschritt, das will ich nicht kleinreden. Nur hat er den alten Kabelsalat nicht beseitigt, sondern unsichtbar gemacht.

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