
Auf der Verpackung einer smarten Lampe stehen heute oft vier Logos nebeneinander, und eines davon ist Matter. Was das bedeutet, erklärt die Schachtel selten. Ich habe im letzten Jahr mehrere Geräte mit diesem Logo eingebunden, mit gemischten Ergebnissen, und dabei ist mir klarer geworden, was der Standard verspricht und was er ausdrücklich nicht regelt.
Kein Funk, sondern eine gemeinsame Sprache
Matter ist zuerst einmal kein neuer Funkstandard. Es ist eine Verständigungsebene darüber: eine festgelegte Art, wie ein Gerät sagt, was es ist und was es kann, und wie eine Steuerzentrale ihm Befehle schickt. Übertragen wird das über bestehende Wege, nämlich über WLAN, über Ethernet oder über Thread. Bluetooth kommt nur beim Einrichten zum Einsatz, damit das Telefon ein frisch ausgepacktes Gerät überhaupt ansprechen kann.
Der Sinn dahinter: Bisher sprach jeder Hersteller sein eigenes Protokoll und lieferte eine eigene App dazu. Wer Geräte von drei Anbietern hatte, hatte drei Apps und drei Konten. Matter definiert stattdessen Gerätetypen, also etwa Lampe, Steckdose, Fensterkontakt, Thermostat, Türschloss, mit jeweils festgelegten Eigenschaften. Eine Steuerzentrale, die den Typ kennt, kann jedes Gerät dieses Typs bedienen, ohne den Hersteller zu kennen.
Getragen wird der Standard von der Connectivity Standards Alliance, in der unter anderem Apple, Google, Amazon und Samsung sitzen. Dass sich diese vier auf etwas Gemeinsames geeinigt haben, ist der eigentliche Fortschritt. Die erste Fassung erschien Ende 2022, seitdem kommen regelmäßig neue Gerätetypen dazu, zuletzt auch aufwendigere wie Haushaltsgeräte und Kameras.
Thread und die Sache mit dem Border Router
Thread stiftet in der Praxis die meiste Verwirrung, weil es zusammen mit Matter genannt wird, aber etwas anderes ist. Thread ist ein stromsparendes Funknetz, in dem sich die Geräte gegenseitig weiterreichen, was sie zu sagen haben. Jedes dauerhaft mit Strom versorgte Gerät verstärkt das Netz, batteriebetriebene Sensoren hängen sich als Endpunkte daran. Das ähnelt Zigbee, und tatsächlich funken beide im selben Bereich.
Damit ein Thread-Netz mit dem restlichen Haushalt reden kann, braucht es einen Übersetzer ins normale Netzwerk, den Border Router. Der steckt meistens in Geräten, die ohnehin herumstehen: in smarten Lautsprechern, in Streaming-Boxen, in manchen Routern. Wer also Thread-Geräte kauft, sollte vorher prüfen, ob im Haushalt überhaupt ein Border Router vorhanden ist. Ohne ihn bleibt das Gerät stumm, und die Verpackung weist selten deutlich darauf hin.
Matter-Geräte mit WLAN brauchen diesen Zwischenschritt nicht, verbrauchen dafür aber mehr Strom und belegen einen Platz im Funknetz. Für Steckdosen und Lampen an Dauerstrom ist das egal, für einen Türsensor mit Knopfzelle nicht.
Was mich am meisten überzeugt
Zwei Eigenschaften finde ich wichtiger als die Bequemlichkeit beim Einrichten.
Die erste ist die lokale Steuerung. Ein Matter-Befehl läuft im eigenen Netz vom Telefon oder von der Zentrale direkt zum Gerät. Es muss kein Server im Internet dazwischen antworten. Das merkt man an der Reaktionszeit, vor allem aber daran, dass Licht und Steckdosen weiterhin schalten, wenn die Internetleitung ausfällt. Es ist auch die vernünftigste Antwort auf das Problem, dass Hersteller ihre Cloud irgendwann abschalten. Eine Garantie ist es nicht, denn ohne Firmware-Pflege veraltet auch ein lokales Gerät. Aber es funktioniert eben nicht nur so lange, wie jemand die Server bezahlt.
Die zweite ist Multi-Admin. Ein Gerät lässt sich mehreren Systemen gleichzeitig anmelden, also etwa dem Sprachassistenten im Wohnzimmer und parallel einer eigenen Automatisierungslösung. Wer bisher wechseln wollte, musste alles neu einrichten. Jetzt kann man nebeneinander betreiben und in Ruhe umziehen.
Wo die Grenzen liegen
Standardisiert sind die Grundfunktionen, nicht die Besonderheiten. Eine Lampe geht an, aus, wird gedimmt und wechselt die Farbe. Der herstellereigene Effektmodus mit Musiksteuerung ist im Standard nicht vorgesehen und bleibt in der App des Anbieters. Bei Geräten, deren Reiz gerade in solchen Extras liegt, ist Matter deshalb eher die Rückfallebene als der Hauptweg.
Vorhandene Zigbee- oder Z-Wave-Geräte werden durch Matter nicht plötzlich kompatibel. Sie brauchen weiterhin ihre Zentrale, die sich dann als Brücke ins Matter-Netz stellen kann. Eine Bestandsanlage wird also nicht ersetzt, sondern angeflanscht.
Und ganz reibungslos ist es auch nicht. Ich habe Geräte erlebt, die sich beim ersten Anlauf nicht anmelden ließen und nach einem Zurücksetzen anstandslos liefen. Die Einrichtung per QR-Code funktioniert meistens, aber eben nicht immer.
Meine Empfehlung nach dem Jahr: Bei Neuanschaffungen auf das Logo achten, vorher den Border Router klären, und Geräte mit Zugang zur Wohnungstür weiterhin gesondert betrachten. Warum, habe ich bei den smarten Türschlössern ausführlicher aufgeschrieben. Ein gemeinsamer Standard macht die Bedienung einfacher, nicht die Entscheidung, was überhaupt vernetzt sein soll.
