
Auf den Kartons neuer Router prangt seit einiger Zeit ein neues Logo: Wi-Fi 7. Die Versprechen klingen wie immer großartig, von bis zu 46 Gigabit pro Sekunde ist die Rede. Gleichzeitig funken in den meisten Wohnungen noch Geräte mit Wi-Fi 5 oder 6 völlig unauffällig vor sich hin. Grund genug, nüchtern zu sortieren: Was steckt technisch hinter dem neuen Standard, und für wen lohnt sich der Umstieg wirklich?
Die Technik hinter dem Marketing
Hinter Wi-Fi 7 steht der IEEE-Standard 802.11be, der Ende 2024 endgültig verabschiedet wurde; zertifizierte Geräte gibt es seit Anfang 2024. Drei Neuerungen sind entscheidend:
- Breitere Kanäle: Im 6-GHz-Band sind jetzt 320 MHz breite Kanäle möglich, doppelt so breit wie bei Wi-Fi 6E. Mehr Bandbreite pro Kanal heißt schlicht mehr Tempo.
- 4K-QAM: Die dichtere Modulation packt rund 20 Prozent mehr Daten in dasselbe Signal, funktioniert aber nur bei sehr gutem Empfang, also eher im selben Raum als durch zwei Wände.
- Multi-Link Operation (MLO): Das ist im Alltag der interessanteste Punkt. Ein Gerät kann gleichzeitig über 2,4, 5 und 6 GHz verbunden sein und zwischen den Bändern wechseln, ohne dass die Verbindung stockt. Das senkt die Latenz und macht das WLAN spürbar stabiler, etwa beim Videocall im Garten.
Ein Wermutstropfen für uns in Europa: Vom 6-GHz-Band ist hierzulande nur der untere Teil freigegeben. Für einen einzigen 320-MHz-Kanal reicht das gerade so, für mehrere parallel nicht. Die Traumwerte aus US-Tests lassen sich deshalb nicht eins zu eins übertragen.
Was kommt real an?
Die 46 Gigabit aus dem Prospekt sind ein theoretischer Maximalwert mit Antennenkonfigurationen, die kein Smartphone dieser Welt mitbringt. Realistisch sind mit einem Highend-Router und passendem Client im selben Raum etwa 2 bis 5 Gigabit pro Sekunde, durch Wände entsprechend weniger. Das ist trotzdem eine Menge: Selbst ein Glasfaseranschluss mit 1 Gigabit wird damit erstmals drahtlos voll ausgereizt, mit Reserve.
Auf der Gegenseite muss allerdings auch ein Wi-Fi-7-Gerät sitzen. Aktuelle Smartphones der Oberklasse wie das iPhone 16 oder Samsungs Galaxy-S-Reihe funken bereits mit Wi-Fi 7, ebenso viele neue Notebooks mit Intel-Funkmodul. Der drei Jahre alte Fernseher und der Saugroboter bleiben dagegen bei ihrem alten Standard und profitieren höchstens indirekt, weil der neue Router insgesamt mehr Geräte gleichzeitig bedienen kann.
Preise: die Spanne ist riesig
Einfache Wi-Fi-7-Router gibt es inzwischen ab rund 100 Euro. Die bringen MLO und die neuen Modulationen mit, sparen aber oft am 6-GHz-Band. Wer alle Funktionen will, landet in der Mittelklasse zwischen 200 und 300 Euro; Highend-Modelle und Mesh-Sets kosten locker das Doppelte. Auch AVM ist mit Wi-Fi-7-Fritzboxen für Glasfaser- und Kabelanschlüsse vertreten, was für viele der bequemste Weg sein dürfte, weil Telefonie und Smart-Home-Funktionen gleich mit an Bord sind.
Für wen lohnt sich der Umstieg?
Meine Einschätzung nach den ersten Monaten mit dem neuen Standard: Es kommt fast ausschließlich auf den Internetanschluss und die Gerätedichte an.
Klar lohnend ist Wi-Fi 7, wenn ein Anschluss mit 1 Gigabit oder mehr anliegt, viele moderne Endgeräte im Haus sind oder ein Mesh-System ohnehin ansteht. Gerade fürs Mesh ist MLO ein echter Fortschritt, weil die Basisstationen untereinander stabiler und schneller kommunizieren. Wer dagegen mit 100 oder 250 Mbit/s surft und dessen WLAN heute nicht nervt, kann den Standard getrost noch ein, zwei Gerätegenerationen aussitzen; Wi-Fi 6 bleibt für solche Anschlüsse mehr als ausreichend.
Zwei Dinge gelten unabhängig vom Standard weiter. Erstens: Was stationär steht und Bandbreite frisst, gehört ans Kabel, wie wir es schon beim Plex-Mediaserver auf dem Nvidia Shield gehalten haben. Und zweitens: Ein schnellerer Router macht ein unsicheres Heimnetz nicht sicherer. Ein Blick in unseren Artikel Wie sicher ist das Internet der Dinge? schadet vor dem Aufrüsten also nicht.
