
Im Oktober endet die Schonfrist. Wer nach dem Support-Ende von Windows 10 im Herbst 2025 das kostenlose Verlängerungsjahr mitgenommen hat, bekommt nur noch bis Oktober 2026 Sicherheitsupdates. Danach ist wirklich Schluss, jedenfalls für Privatleute. Zwei Monate klingen nach viel Zeit, sind aber knapp, wenn am Ende ein Systemwechsel oder ein neues Gerät steht. Deshalb an dieser Stelle eine Einordnung, welche Wege es gibt und welcher davon für welchen Rechner taugt.
Was im Oktober tatsächlich passiert
Nichts Dramatisches, und das ist das Tückische daran. Der Rechner läuft weiter, startet weiter, tut weiter seinen Dienst. Nur kommen keine Sicherheitsupdates mehr. Jede Lücke, die danach in Windows 10 gefunden wird, bleibt offen, und zwar dauerhaft. Das Risiko steigt nicht schlagartig, sondern schleichend über Monate, in denen sich die ungestopften Löcher ansammeln. Genau darum unterschätzt man es so leicht.
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen Betriebssystem und Programmen. Anwendungen laufen zunächst weiter und werden teils noch eine ganze Weile gepflegt; Microsoft hat für den eigenen Browser und die Office-Anwendungen unter Windows 10 eine längere Übergangsfrist zugesagt. Das hilft aber nur bedingt. Ein aktueller Browser auf einem löchrigen Unterbau ist ungefähr so beruhigend wie ein neues Türschloss in einem morschen Rahmen.
Zuerst nachsehen, ob überhaupt Handlungsbedarf besteht
Bevor irgendetwas entschieden wird, lohnt ein Blick in die Einstellungen unter „Update und Sicherheit“. Dort steht, ob der Rechner im Verlängerungsprogramm registriert ist und bis wann er Updates bekommt. In der EU war die Registrierung für Privatnutzer kostenlos möglich, ohne die Bedingungen, die Microsoft ursprünglich daran knüpfen wollte. Wer das nie angeklickt hat, ist möglicherweise schon seit Monaten ohne Updates unterwegs und merkt es nicht, weil Windows das nicht mit einem roten Balken quittiert.
Der zweite Blick geht auf die Hardware. Windows 11 verlangt einen halbwegs aktuellen Prozessor, dazu TPM 2.0 und aktiviertes Secure Boot. Microsofts Prüfprogramm „PC-Integritätsprüfung“ sagt in einem Durchlauf, woran es hakt. Häufig ist es gar nicht die Rechenleistung, sondern nur ein im BIOS abgeschaltetes TPM. Das ist mit zwei Klicks im Setup erledigt, und aus dem angeblich untauglichen Gerät wird ein taugliches. Diesen Fall habe ich in letzter Zeit mehrfach gesehen, und er ist ärgerlich oft der Grund, warum jemand über einen Neukauf nachdenkt.
Wenn der Rechner Windows 11 kann
Dann ist der Fall einfach: aktualisieren. Das Upgrade läuft über Windows Update oder den Installationsassistenten, dauert je nach Gerät eine halbe bis eine ganze Stunde und behält Programme und Daten. Vorher trotzdem eine vollständige Sicherung anlegen, das ist der einzige Schritt, den man wirklich nicht überspringen sollte. Wie das mit Bordmitteln geht, ohne zusätzliche Software zu kaufen, steht in Automatische Backups mit Bordmitteln.
Auf Geräten mit 4 GB RAM und einer klassischen Festplatte würde ich vor dem Upgrade eine SSD einbauen. Windows 11 ist auf drehenden Platten spürbar zäh, und die Nachrüstung kostet weniger als ein neues Gerät. Anders gesagt: Der Umstieg ist eine gute Gelegenheit, das schwächste Teil im Rechner zu ersetzen, statt gleich alles.
Wenn er es nicht kann
Hier wird es zur Abwägung. Drei Möglichkeiten halte ich für vertretbar.
Ein gebrauchtes Gerät. Ausgemusterte Bürorechner sind seit dem Support-Ende in großer Zahl auf dem Markt, entsprechend günstig und fast durchweg Windows-11-fähig. Für Büroarbeit, Mail und Videokonferenzen reicht das locker; worauf beim Kauf zu achten ist, habe ich in Gebrauchte Business-Notebooks zusammengetragen.
Linux. Für Rechner, die noch gut laufen, aber offiziell durchgefallen sind, ist das die Option, die am wenigsten Elektroschrott produziert. Wer nur Browser, Mail und Office braucht, kommt damit erfahrungsgemäß gut zurecht. Ausprobieren kostet nichts und ändert nichts am System, ein Live-Stick genügt: Linux ausprobieren ohne Risiko. Ehrlich dazugesagt: Wer auf bestimmte Windows-Programme angewiesen ist, etwa spezielle Branchensoftware oder Steuerprogramme, sollte das vorher prüfen und nicht hoffen.
Das Gerät entkernen. Ein alter Rechner, der ohne Netzwerk als Musikserver, Bastelmaschine oder Steuerung für ein Gerät in der Werkstatt weiterläuft, darf ruhig Windows 10 behalten. Ohne Internetverbindung sind fehlende Sicherheitsupdates weitgehend belanglos. Nur sollte diese Entscheidung bewusst fallen und nicht daraus bestehen, dass man das Thema aussitzt.
Von einem Weg rate ich ab
Im Netz kursieren Anleitungen, mit denen sich Windows 11 über Registry-Eingriffe auf offiziell nicht unterstützter Hardware installieren lässt. Technisch funktioniert das häufig. Nur behält sich Microsoft ausdrücklich vor, solchen Installationen Updates zu verweigern, und genau darum ging es ja. Ein System, das vielleicht Updates bekommt, ist die Sache nicht wert; dann lieber gleich Linux, wo die Unterstützung alter Hardware kein Zugeständnis ist, sondern der Normalfall.
Mein Rat für die kommenden Wochen: Prüfstand machen. Registrierungsstatus ansehen, Hardware prüfen, Sicherung anlegen. Diese drei Schritte kosten eine knappe Stunde und verwandeln eine Frist, die sonst irgendwann unbemerkt verstreicht, in eine Entscheidung, die man selbst trifft.
